Glasfaserausbau in Deutschland: Warum der Streit um Kupferabschaltung eskaliert

Nelly Girschner
Nelly Girschner
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Ein altes Stadtplan von Hamburg, Deutschland, mit roten Linien, die den Siel-System-Route markieren, auf einem Papier mit handgeschriebener Text.Nelly Girschner

Glasfaserausbau in Deutschland: Warum der Streit um Kupferabschaltung eskaliert

Deutschland treibt eines seiner größten Infrastrukturprojekte voran: den Ersatz alter Kupfernetze durch flächendeckende Glasfaseranschlüsse (FTTH). Die Umstellung hat eine hitzige Debatte zwischen Telekommunikationsunternehmen, Branchenverbänden und Regulierungsbehörden ausgelöst. Die zentralen Akteure streiten nun darüber, wie schnell der Wandel vollzogen werden soll – und wer darüber entscheidet, wann die Kupferleitungen abgeschaltet werden.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) präsentierte im Oktober seinen Plan, den Glasfaserausbau zu beschleunigen. Der Vorschlag zielt darauf ab, die Stilllegung der Kupfernetze zu forcieren, stößt jedoch auf Widerstand aus verschiedenen Richtungen.

Die Deutsche Telekom, Deutschlands größter Telekommunikationsanbieter, lehnt politisch oder regulatorisch vorgegebene Fristen für die Abschaltung ihres Kupfernetzes kategorisch ab. Das Unternehmen argumentiert, dass erzwungene Abschaltungen gegen deutsches Verfassungsrecht und EU-Vorgaben verstoßen würden. Zudem betont die Telekom, dass ihr bestehendes Netz bereits Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s ermögliche – eine vorzeitige Stilllegung sei daher wirtschaftlich nicht vertretbar. Darüber hinaus warnt das Unternehmen, dass ein Auslaufen von VDSL Kunden in Richtung der Koaxialkabelnetze von Vodafone drängen könnte – Systeme, die die Telekom als veraltet und fünfmal weniger energieeffizient als Glasfaser bezeichnet.

Die Branchenverbände sind gespalten. Breko, der Interessenverband alternativer Glasfaseranbieter und kommunaler Versorger, unterstützt zwar die BMDV-Initiative, kritisiert aber die bisherige Steuerung des Übergangs durch die Bundesnetzagentur als unzureichend. Die Organisation fordert nun ein "allgemeines Initiativrecht", um Kupferabschaltungen erzwingen zu können, sobald in einer Region eine bestimmte Glasfaserabdeckung erreicht ist – selbst wenn die Telekom Widerspruch einlegt.

Derweil mahnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zur Vorsicht und warnt vor überstürzten Schritten. Eine Abschaltung der Kupfernetze, bevor eine voll funktionsfähige Glasfaseralternative zur Verfügung stehe, könnte die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gefährden, so der Verband. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) teilt die Bedenken und verweist insbesondere auf aggressive Haustürverkaufsstrategien sowie auf das, was er als "Staatsdrohungen" bezeichnet, die Mieter verunsicherten.

Stand Anfang 2026 bleibt der Glasfaserausbau ungleichmäßig. Während Anbieter wie Deutsche Glasfaser in bestimmten Regionen bereits Hunderttausende Haushalte angeschlossen haben, gibt es keine präzisen bundesweiten Zahlen zur Vollversorgung. Das Regierungsziel, bis 2030 flächendeckend Glasfaser anzubieten, steht noch vor erheblichen Herausforderungen – ein direkter Vergleich mit den Zielen der Europäischen Kommission fehlt bisher.

Der Streit um Deutschlands Glasfaserumstellung zeigt keine Anzeichen einer Entspannung. Telekommunikationsunternehmen, Regulierungsbehörden und Branchenverbände liegen weiterhin im Clinch über Zeitpläne, rechtliche Befugnisse und wirtschaftliche Risiken. Ohne einen einheitlichen Ansatz könnte der geplante flächendeckende Glasfaserausbau bis 2030 weitere Verzögerungen und Komplikationen erfahren.

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