Lieferando streicht 1.500 Kurierkräfte – und löst damit politischen Streit aus
Tom GießLieferando streicht 1.500 Kurierkräfte – und löst damit politischen Streit aus
Essenslieferdienst-Riese Lieferando streicht 1.500 seiner 10.000 Kurierkräfte in Deutschland. Das Unternehmen plant, sie durch selbstständige Beschäftigte zu ersetzen, die über Drittfirmen angeheuert werden. Dieser Schritt hat scharfe Kritik von Landesvertretern und Arbeitsrechtlern ausgelöst.
Die Entscheidung folgt auf frühere Entlassungen im Jahr 2025, als Lieferando mindestens 2.000 fest angestellte Fahrradkuriere entließ. Viele von ihnen wurden durch Subunternehmer wie die Fleetlery GmbH ersetzt, wo Beschäftigte oft ohne ordentliche Verträge arbeiten und prekären Bedingungen ausgesetzt sind. Allein in Berlin ist die Zahl der Kurierkräfte seit Januar bereits von 2.000 auf 1.500 gesunken.
Nun haben sich die Arbeitsminister der Länder positioniert: Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) verabschiedete einen Beschluss, der ein Verbot von Subunternehmertum in der Essenslieferbranche fordert. Stattdessen sollen Kurierkräfte direkt angestellt werden. Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, begründete den Vorstoß mit den "prekären Arbeitsbedingungen" in der Branche.
Berlins Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) stellte sich öffentlich hinter die streikenden Kurierkräfte. Sie bezeichnete den ASMK-Beschluss als "wichtigen Schritt" und forderte die Bundesregierung auf, strengere Regelungen durchzusetzen. Gleichzeitig arbeitet das Bundesarbeitsministerium an neuen Gesetzen im Rahmen der EU-Plattformarbeitsrichtlinie, die bald eine direkte Anstellung von Plattformbeschäftigten vorschreiben könnten.
Die ASMK drängt auf rechtliche Änderungen zum Schutz der Lieferfahrer:innen. Falls die Bundesregierung den Vorschlag übernimmt, könnten Kurierkräfte künftig mit regulären Verträgen und besseren Arbeitsbedingungen beschäftigt werden. Die Umsetzung hängt jedoch von der kommenden Gesetzgebung und deren konsequenter Kontrolle ab.
