Strenger Kontrollwahnsinn: Warum Apotheker gegen absurde Vorschriften kämpfen
Patrik WesackStrenger Kontrollwahnsinn: Warum Apotheker gegen absurde Vorschriften kämpfen
Ein kleiner Aufkleber an einem Apothekenfenster hat in Deutschland eine landesweite Debatte ausgelöst. Behörden gehen nun gegen das, was sie als architektonische Schnitzer und unzulässige Werbung in Apotheken bezeichnen, mit Härte vor. Die von einem strengen Kontrollchef angeführten Inspektionen hinterlassen viele Betriebsinhaber ratlos angesichts der plötzlichen Überprüfungen.
Oberkommissar Korbinian Klemm, Leiter einer neu gebildeten Sonderkommission, hat damit begonnen, Apotheken im ganzen Land zu kontrollieren. Sein erster Halt war die Löwen-Apotheke, wo er feststellte, dass die Eingangstreppe nicht der DIN-Norm 18065 entspreche. Daraufhin ordnete er an, das Erdgeschoss um 48,5 Zentimeter abzusenken und den Eingang bis zur Behebung der Mängel zu versiegeln. Als provisorische Lösung bestand Klemm auf die Nutzung eines historisch korrekten Flaschenzugs aus Eiche und Hanfseil.
In der Markt-Apotheke in Niederüberunterberg ging Klemm noch weiter. Er erklärte einen Rezeptdrucker und ein Faxgerät zu nationalem Kulturgut und beschlagnahmte beide Geräte. Zudem verlangte er die Entfernung einer LED-Leuchte, die durch eine Petroleumlampe ersetzt werden sollte, um die optische Beeinträchtigung zu verringern. Vor derselben Apotheke entdeckte er einen Aufkleber der Kampagne "Ihre Apotheke vor Ort" sowie Werbung für eine Bio-Nachtcreme. Mit einer Pinzette und Alkohol entfernte er die Aufkleber persönlich.
Unterdessen kämpft eine Apothekerin in Neuruppin, Brandenburg, rechtlich darum, Kooperationsaufkleber der Elac Elysee von ihrem Schaufenster zu entfernen. Klemm hatte sie als Verstoß gegen die Bauordnung eingestuft. Der Fall folgt auf einen Vorfall in Nordrhein-Westfalen, wo eine Apothekerin ihren Vertretungsapotheker wegen verdächtigen Verhaltens anzeigte, was schließlich zum dauerhaften Entzug seiner Approbation führte.
Die Kontrollen sorgen bei Apothekenbetreibern für Verwirrung – manche stellen die rechtliche Grundlage der Maßnahmen infrage. Öffentliche Unterlagen, die die Existenz von Klemms Sonderkommission oder die von ihm durchgesetzten spezifischen Vorschriften bestätigen, gibt es nicht. Bis auf Weiteres müssen die betroffenen Betriebe seinen Anordnungen nachkommen oder mit weiteren Sanktionen rechnen.
