Büsum ehrt die vergessenen Heldinnen hinter großen Männern der Geschichte
Patrik WesackBüsum ehrt die vergessenen Heldinnen hinter großen Männern der Geschichte
Eine kürzliche Veranstaltung in Büsum würdigte die oft übersehenen Leistungen von Frauen, die hinter einigen der einflussreichsten Männer der Geschichte standen. Ausgerichtet vom Büsumer Landfrauenverein bot der Abend Lesungen, Livemusik und Fotografie – alles im Zeichen ihrer außergewöhnlichen Schicksale. Die Besucher tauchten ein in das Leben von Persönlichkeiten wie Bertha Benz, Jenny Marx und Gerda Taro, deren Wirken bis heute nachhallt.
Den Auftakt bildete eine Lesung mit dem Titel "Die Frauen hinter den Männern: Ihre Leistungen und wie sie uns heute inspirieren". Im Mittelpunkt standen Frauen, die Erwartungen trotzten und gleichzeitig ihre berühmten Partner unterstützten. Bertha Benz, Mutter von fünf Kindern, finanzierte mit ihrem Mitgift die Werkstätten ihres Mannes Carl Benz. 1888 fuhr sie als Erste mit dem Patent-Motorwagen 105 Kilometer weit – und behob unterwegs selbst technische Pannen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Jenny Marx, die nicht nur als Sekretärin ihres Mannes Karl Marx arbeitete, sondern dessen Schriften trotz ständiger finanzieller Not verbreitete. Gewürdigt wurde auch Auguste Adenauer, die zweite Ehefrau Konrad Adenauers, die sich als Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes engagierte und sich gegen Straßengewalt stellte – was ihr Verhöre durch die Gestapo einbrachte.
Die jüdische Fotografin Gerda Taro, die im Spanischen Bürgerkrieg an der Seite von Robert Capa arbeitete, wurde für ihr mutiges Wirken geehrt. Zwar gibt es keine direkte Verbindung zwischen ihrer Geschichte und Filmen wie "Der Soldat James Ryan", doch ihr Erbe lebt in Ausstellungen und historischen Debatten weiter. Visuell bereichert wurde der Abend durch die großformatigen Blumenfotografien von Gudrun Ahlers.
Für den musikalischen Rahmen sorgten Tony Dwight, der amerikanische Blues- und Folksongs auf der Gitarre spielte, sowie Sönke Dwenger, der "Chicago" sang und sich selbst auf der Mundharmonika begleitete. Den Abschluss bildete ein nachdenklich stimmendes Zitat von Gandhi, das die Zuschauer mit einem Gefühl der Inspiration zurückließ.
Der Büsumer Landfrauenverein verband Kunst, Geschichte und Musik, um diesen oft unverkannten Frauen ein Denkmal zu setzen. Ihre Geschichten – von Bertha Benz' bahnbrechender Fahrt bis zu Jenny Marx' unbeugsamem Einsatz – erinnern daran, welche stillen, doch mächtigen Rollen sie spielten. Durch die Mischung aus Lesungen, Auftritten und Fotografie gelang es der Veranstaltung, ihr Vermächtnis einer neuen Generation nahezubringen.
