Ex-Airbus-Chef Enders fordert radikale Wende in Deutschlands Militärluftfahrt
Patrik WesackEx-Airbus-Chef Enders fordert radikale Wende in Deutschlands Militärluftfahrt
Der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders hat Deutschlands Herangehensweise an die militärische Luftfahrt scharf kritisiert und einen Kurswechsel hin zu autonomen Drohnensystemen gefordert. Die Entscheidung aus dem Jahr 2017, mit Frankreich an einem Kampfflugzeug der nächsten Generation zusammenzuarbeiten, bezeichnete er als "strategischen Fehler" und warnte davor, ein eigenständiges deutsches Projekt als ressourcenverschwendend zu verfolgen.
Enders argumentiert, dass bemannte Kampfflugzeuge bald obsoleten Technologien angehören und in zwanzig Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle spielen würden. Stattdessen drängt er Deutschland dazu, sich auf massenhaft produzierte, KI-gesteuerte unbemannte Systeme (UCAVs) zu konzentrieren – dort liege seiner Meinung nach die Zukunft der militärischen Luftfahrt.
Die Idee, Deutschland könnte ein eigenes Kampfflugzeug entwickeln, wies er als "industriepolitische Hybris" und eine "kolossale Fehlallokation von Ressourcen" zurück. Zwar räumte er ein, dass Deutschland technisch dazu in der Lage sei, doch betonte er die enormen Kosten und die jahrelangen Entwicklungszeiten, die damit verbunden wären.
Als Alternativen schlug Enders vor, sich dem von Großbritannien geführten GCAP-Programm anzuschließen oder mit Schweden zu kooperieren. Die deutsche Regierung betrachtet GCAP derzeit als die pragmatischste Option – vor allem angesichts der prekären Lage des 100-Milliarden-Euro-Projekts FCAS, das aufgrund von Streitigkeiten über die Flugzeughardware vor dem Scheitern steht.
Seine Position steht im Widerspruch zu der des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Gewerkschaft IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury. Zudem warnte Enders davor, einfach auf amerikanische Plattformen zu setzen, und betonte die Notwendigkeit, Europas industrielle und technologische Unabhängigkeit zu stärken.
Deutschland steht nun vor der Wahl, das FCAS-Projekt zu reaktivieren, sich GCAP anzuschließen oder in autonome Systeme zu investieren. Enders' Warnungen unterstreichen die finanziellen und strategischen Risiken eines alleinigen deutschen Kampfflugzeugprogramms. Die Debatte über die Zukunft der europäischen militärischen Luftfahrt bleibt damit weiter ungelöst.
