Wiesbadens Karnevalstradition muss wegen Mainzer Markenstreit umgetauft werden
Tom GießWiesbadens Karnevalstradition muss wegen Mainzer Markenstreit umgetauft werden
Wiesbadener Karnevalstradition gerät in rechtliche Schwierigkeiten
Eine langjährige Karnevalstradition in Wiesbaden ist in eine juristische Zwickmühle geraten. Der Name "Zugen(d)te", unter dem der letzte Wagen des Umzugs bekannt war, ist von Mainz als Marke geschützt – was nun zu einer kurzfristigen Umbenennung zwingt. Die Figur, die seit zwei Jahrzehnten den Abschluss der Veranstaltung bildete, wird nach einer offiziellen Beschwerde künftig unter einem anderen Namen auftreten.
Der Streit begann, als der Mainzer Karnevalsverein gegen die Nutzung des geschützten Begriffs durch Wiesbaden Einspruch erhob. Angesichts des wachsenden rechtlichen Drucks mussten die Veranstalter sowohl den Namen als auch das Design ihres ikonischen Finale-Wagens überarbeiten.
Fast 20 Jahre lang markierte der "Zugen(d)te"-Wagen das Ende des Wiesbadener Schmotzigen-Donnerstags-Umzugs. Die Tradition orientierte sich am Mainzer Rosenmontagszug, bei dem eine ähnliche Figur die symbolische Machtübernahme des Prinzen und die Verkündung der "Kussfreiheit" (die Erlaubnis, sich ungeniert zu küssen) darstellt. Beide Städte blicken auf eine tief verwurzelte Karnevalskultur zurück: Mainz' Feiern gehen auf das 19. Jahrhundert zurück, als Bier-Spenden für Arme den Anfang machten und sich später zu prunkvollen Umzügen mit aufwendigen Wagen und Tonnen von Süßigkeiten entwickelten.
Die Wiesbadener Variante, wenn auch weniger dokumentiert, folgt eng den rheinischen Bräuchen – mit Gartenuniformen, Prinzenfiguren, die militärische Hierarchien persiflieren, und einem "närrischen" Finale. Doch in diesem Jahr wurde der Name des Wagens zum Problem. Hannsgeorg Schönig, Präsident des Mainzer Karnevalsvereins, reichte eine Beschwerde wegen der geschützten Bezeichnung ein. Die Sache spitzte sich weiter zu, als die Wagenbauer zudem feststellten, dass die Figur ihrem ursprünglichen Vorbild – einer Ente – überhaupt nicht mehr ähnelte.
Angesichts der rechtlichen Risiken handelten die Veranstalter schnell. Guntram Eisenmann, künstlerischer Leiter der Wagenbaugruppe Dacho, bestätigte, dass die Beschriftung entfernt werde. Die Lösung? Eine spielerische Umbenennung. Statt "Zugen(d)te" heißt der Abschlusswagen nun "Gans am End" – die "Gans am Ende".
Die Änderung beendet zwar den Markenstreit, verändert aber eine Tradition, die seit den späten 1990er-Jahren ununterbrochen bestand. Der Wiesbadener Umzug wird zwar weiterhin mit seiner vertrauten Figur enden – allerdings unter neuem Namen. Offensichtlich können selbst jahrzehntealte Bräuche an den rechtlichen Schutzbestimmungen von Karnevalssymbolen scheitern.
Mainz's 10-Year Trademark Claim Reveals Legal Roots of Wiesbaden's Name Change
New details show the 'Zugen(d)te' name dispute was not sudden but rooted in a decade-old trademark. Key facts include:
- Mainz secured the 'Zugente' trademark 10 years prior to the 2026 conflict.
- The legal pressure began with a private phone call to Wiesbaden's Wagenbaugruppe Dacho leader Guntram Eisenmann in late 2025.
- The trademark targets the wordplay and spelling, not the duck design itself, which remains allowed.






