Zwei Berliner Fotoausstellungen zeigen Leben zwischen Spontanität und Unvollkommenheit
Patrik WesackZwei Berliner Fotoausstellungen zeigen Leben zwischen Spontanität und Unvollkommenheit
In Berlin sind derzeit zwei Fotoausstellungen zu sehen, die jeweils ganz unterschiedliche Perspektiven auf Leben und Kreativität eröffnen. Die Galerie Crone präsentiert Daniel Josefsohn: Unseen, eine posthum gezeigte Retrospektive des verstorbenen Fotografen. Parallel dazu versammelt Show Your Darling V in der Galerie ep.contemporary unter einem spielerischen Motto Werke von 38 Künstler:innen.
Daniel Josefsohn (1961–2016) arbeitete als Magazinfotograf für Titel wie Tempo, Jetzt, SZ-Magazin und Zeit Magazin. Seine Bilder fielen durch ihre Authentizität auf – fernab der glatten Ästhetik der Werbefotografie. Die von Ingo Taubhorn kuratierte Ausstellung Unseen zeigt 81 Fotografien, die die unbeschwerte Lebensfreude seiner Motive einfangen. Josefsohns Protagonist:innen wirken ungestellt, ganz im Moment – selbst wenn sie direkt in die Kamera blicken. Zwei Selbstporträts, eines zu Beginn und eines am Ende der Schau, offenbaren seine eigene Lebensbejahung. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. November in der Fasanenstraße 29 und ist dienstags bis samstags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Show Your Darling V in der Galerie ep.contemporary, kuratiert von Sabine Wild. Hier sind 38 Fotograf:innen eingeladen, sich mit dem Thema Alle Fehler korrigiert! auseinanderzusetzen. Jede:r Künstler:in steuert ein einzelnes Werk bei, sodass eine vielschichtige Sammlung entsteht. Norbert Holicks Beitrag zeigt etwa die notdürftig mit durchsichtigem Klebeband reparierte Heckleuchte eines Mini – eine ironische Reflexion über den Konflikt zwischen Pragmatismus und Regeln. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Oktober zu sehen, und zwar donnerstags und freitags von 15 bis 18:30 Uhr sowie samstags von 14 bis 18 Uhr in der Pohlstraße 71. Ein Katalog ist für 10 Euro zzgl. Versand über die Galerie oder unter wild[at]kunstwild.de erhältlich.
Josefsohn, Sohn jüdischer Eltern, hinterließ ein Werk, das Spontanität und ungefilterte Emotionen feiert. Seine oft jungen, unverkrampten Motive verkörpern eine berechtigte Naivität, die sich durch die gesamte Unseen-Ausstellung zieht.
Beide Schauen bieten die Gelegenheit, die Fähigkeit der Fotografie zu erkunden, rohe, uninszenierte Momente festzuhalten. Unseen ehrt Josefsohns Vermächtnis mit Bildern, die intim und lebendig wirken, während Show Your Darling V einen Querschnitt zeitgenössischer Perspektiven auf Unvollkommenheit präsentiert. Die Ausstellungen sind noch bis Mitte November bzw. Mitte Oktober zu besichtigen.