Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben mit neuen Pflanzenschutzmethoden
Tom GießZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben mit neuen Pflanzenschutzmethoden
Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät zunehmend unter Druck. Herausforderungen wie sinkende Preise, schrumpfende Anbauflächen und neue Bedrohungen durch Schädlinge und Krankheiten setzen die Landwirte zu. Um Erträge zu sichern und wirtschaftlich zu bleiben, setzen sie zunehmend auf innovative Pflanzenschutzmethoden.
Seit 2020 sind die deutschen Zuckerrübenfelder von etwa 43.000 Hektar auf voraussichtlich rund 35.000 Hektar im Jahr 2025 geschrumpft. Der Rückgang folgt auf die Abschaffung der EU-Zuckerquoten 2017, schwankende Marktpreise und steigende Produktionskosten. Strengere Düngeregelungen sowie die Konkurrenz durch Kulturen wie Getreide und Raps haben die Entwicklung zusätzlich beschleunigt.
Betriebe wie die Metternich-Ratibor-Corvey KG in Höxter, Nordrhein-Westfalen, haben ihren Rübenanbau aufgrund finanzieller Belastungen reduziert. Betriebsleiter Marius Feldmann testet neue Lösungen, darunter Rinpode, ein Herbizid, das resistenten Ackerfuchsschwanz gezielt bekämpft, ohne die Zuckerrüben zu schädigen. Sein einzigartiger molekularer Wirkmechanismus zeigt in ersten Versuchen vielversprechende Ergebnisse.
Weitere Bedrohungen wie Blattkrankheiten und das Low-Sugar-Content-Syndrom (SBR), ausgelöst durch die Zikade Hyalesthes obsoleta, zwingen die Erzeuger zum Einsatz von Biostimulanzien wie Kinsidro Grow . Diese Mittel sind mittlerweile fester Bestandteil von Spritzprogrammen gegen SBR und Stolbur. Notfallzulassungen für bestimmte Wirkstoffe haben kurzfristig geholfen, doch die Landwirte setzen auf langfristige, zuverlässige Strategien.
Erste Daten deuten darauf hin, dass die Kombination dieser neuen Werkzeuge Erträge und Zuckergehalt steigern könnte. Einige Versuche zeigen ein zusätzliches Zuckerertrag von bis zu einer Tonne pro Hektar – ein möglicher Rettungsanker für kämpfende Betriebe.
Ohne rentablen Rübenanbau könnte die heimische Zuckerversorgung Deutschlands ins Wanken geraten. Die Landwirte verlassen sich auf modernen Pflanzenschutz, um Menge und Qualität zu halten. Der Wandel hin zu neuen Herbiziden, Fungiziden und Biostimulanzien wird mitentscheiden, ob die Branche in den kommenden Jahren wieder Stabilität findet.