Nastassja Kinskis Kampf gegen umstrittene Filmszenen verändert die Branche
Marlene SeifertNastassja Kinskis Kampf gegen umstrittene Filmszenen verändert die Branche
Eine aktuelle Debatte über den Umgang mit umstrittenen Filmen, in denen minderjährige Schauspieler in expliziten Szenen zu sehen sind, hat neue Brisanz erhalten. Im Mittelpunkt steht Wim Wenders’ Film Falsche Bewegung aus dem Jahr 1975, in dem Nastassja Kinski mit 13 Jahren halb nackt auftrat. Das Erbe des Films und die generelle Frage, wie mit Kinderdarstellern in solchen Rollen umgegangen wird, haben eine breite Diskussion ausgelöst.
Nastassja Kinski hatte sich lange dafür eingesetzt, die betreffende Szene aus Falsche Bewegung entfernen zu lassen. Erst als Wenders ihre Bitte öffentlich ablehnte, gewann ihre Initiative an Fahrt – und lenkte die Aufmerksamkeit auf das Thema. Die Weigerung des Regisseurs verhalf ihrer Sache zu mehr Gehör und veränderte den Diskurs.
Auch andere Schauspielerinnen mit ähnlichen Erfahrungen meldeten sich zu Wort. Brooke Shields, die in Pretty Baby eine Kinderprostituierte spielte, gestand, sich unwohl dabei zu fühlen, ihre Rolle in einem Film zu verteidigen, den viele als unmoralisch empfinden. Natalie Portman, Dakota Fanning und Kirsten Dunst äußerten vergleichbare Bedenken über ihre frühen Karrierejahre und forderten höhere professionelle Standards. Jodie Foster hingegen sprach schon immer mit Humor über ihre Mitwirkung in Taxi Driver im Alter von zwölf Jahren.
Kinskis Eingreifen förderte eine differenziertere Auseinandersetzung mit der Thematik. Manche plädieren dafür, Filme so zu schneiden, dass problematische Szenen entfernt werden, ohne den Kern der Handlung zu gefährden. Andere bestehen auf der Bewahrung des Originalwerks. Forderungen nach Kennzeichnung oder Einordnung solcher Inhalte gelten als Übergangslösungen – ein umfassendes Problembewusstsein fehlt jedoch noch immer.
Wenders entschuldigte sich schließlich bei Kinski und zog Falsche Bewegung vorläufig aus dem Verleih zurück. Damit hat sich die Debatte vorerst beruhigt. Offengeblieben ist jedoch die Frage, wie mit dem Erbe solcher Filme und dem Schutz junger Schauspieler in der Branche umgegangen werden soll.






