Langzeitarbeitslose fühlen sich von Jobcentern trotz Reformen im Stich gelassen
Marlene SeifertFast jede zweite Person findet einen Besuch beim Jobcenter sinnlos - Langzeitarbeitslose fühlen sich von Jobcentern trotz Reformen im Stich gelassen
Eine neue Umfrage offenbart tiefe Frustration unter Langzeitarbeitslosen mit der Unterstützung, die sie von den Jobcentern erhalten. Fast die Hälfte gibt an, dass die Besuche dort kaum etwas an ihren Berufsaussichten verbessern – trotz hoher Zufriedenheit mit dem Personal. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland sein Sozialsystem mit strengeren Regeln ab Mitte 2026 grundlegend reformieren will.
Die zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführte Erhebung befragte über 1.000 Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld bezogen. Zwar bewerteten 70 Prozent das Jobcenter-Personal als kompetent und zwei Drittel waren mit der allgemeinen Unterstützung zufrieden, doch 46 Prozent räumten ein, auf erhebliche Hindernisse bei der Arbeitsaufnahme zu stoßen – etwa gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen.
Die Ergebnisse deuten auf eine Kluft zwischen wahrgenommener Unterstützung und tatsächlichen Ergebnissen hin. Fast die Hälfte der Befragten hatte den Eindruck, dass die Jobcenter-Besuche ihre Chancen auf eine Anstellung nicht erhöhten. Die Bertelsmann Stiftung reagierte darauf mit dem Appell, praktische Hilfen auszubauen – darunter gezieltes Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Arbeitsvermittlung.
Unterdessen hat der Bundestag eine Sozialreform beschlossen, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres System ersetzt. Die neuen Regeln sehen vor, dass Leistungsbezieher strengere Mitwirkungspflichten erfüllen müssen – andernfalls drohen Sanktionen, darunter eine 30-prozentige Kürzung der Bezüge für drei Monate bei Ablehnung zumutbarer Arbeit. Allerdings fehlen in der Reform konkrete Maßnahmen für Personen mit mehrfachen Vermittlungshemmnissen.
Für Langzeitarbeitslose ohne größere Hindernisse empfiehlt der Bericht, stärker auf eigeninitiative Stellensuche zu setzen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Jobcenter-Betreuung verringert.
Die Reformen führen zwar strengere Pflichten für Leistungsbezieher ein, doch bleiben Bedenken hinsichtlich der Unterstützung für Menschen mit komplexen Problemlagen. Die Jobcenter könnten ihren Schwerpunkt von allgemeiner Beratung hin zu konkreterer Hilfe verlagern müssen. Die Änderungen treten Mitte 2026 in Kraft, wobei die Sanktionen bei Nichtbefolgung bereits feststehen.