Kunstfreiheit in der Krise: Warum eine Veranstaltung in Düsseldorf polarisiert
Tom GießOffener Brief warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstfreiheit in der Krise: Warum eine Veranstaltung in Düsseldorf polarisiert
Ein Streit um eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif hat eine breitere Debatte über die Freiheit an deutschen Hochschulen entfacht. Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende haben einen offenen Brief unterzeichnet, der vor politischer Einmischung warnt. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Kunstakademie Düsseldorf, deren Rektorin Donatella Fioretti für die Einladung an al-Sharif Kritik einstecken muss.
Der Konflikt begann, als al-Sharif an die Akademie eingeladen wurde, um dort zu sprechen. Es folgten Antisemitismusvorwürfe, die zu Forderungen nach Absage der Veranstaltung führten. Eine Petition verlangte zudem Fiorettis Rücktritt, weil sie an der Durchführung festhielt.
Nach einer rechtlichen Prüfung wurden al-Sharifs Äußerungen als von der Meinungsfreiheit gedeckt eingestuft. Dennoch musste die Veranstaltung wegen Drohungen in sozialen Medien eingeschränkt werden. Fioretti soll nun am Mittwoch vor einem Landtagsausschuss aussagen.
Der offene Brief, unterzeichnet von Persönlichkeiten wie dem Fotografen Wolfgang Tillmans und der Philosophin Susan Neiman, verurteilt die Eskalation. Er warnt davor, dass der Streit politische Einmischung in die akademische und künstlerische Freiheit normalisieren könnte. Die Unterzeichnenden weisen den Vorwurf zurück, solche Freiheiten würden als "Tarnmantel" – ein Begriff, der ursprünglich von der rechtsextremen AfD geprägt wurde – für umstrittene Positionen missbraucht.
Der Brief betont, dass Artikel 5 des Grundgesetzes selbst unpopuläre Meinungen schütze. Er fordert die Abgeordneten auf, sich erneut klar zu den verfassungsmäßigen Freiheiten zu bekennen und Zensur abzulehnen. Größere Verschiebungen in der deutschen Debatte über künstlerische oder akademische Freiheit sind in den letzten Jahren nicht dokumentiert – verfügbare Aufzeichnungen beziehen sich stattdessen auf unrelated historische Projekte.
Die Unterzeichnenden zeigen sich solidarisch mit Fioretti und fordern eine klare Verteidigung der verfassungsrechtlichen Garantien. Der Brief unterstreicht die Sorge, dass der aktuelle Konflikt einen Präzedenzfall für künftige politische Einmischung schaffen könnte. Fiorettis anstehende Aussage könnte weitere Klarheit darüber bringen, wie die Akademie mit der Veranstaltung umgegangen ist.