Kundenboom nach Konkurrenzschließung: Apotheker kämpft mit steigenden Kosten und Digitalproblemen
Patrik WesackKundenboom nach Konkurrenzschließung: Apotheker kämpft mit steigenden Kosten und Digitalproblemen
Ingo Müller, Inhaber der Apotheke im Cirkel in Herten, verzeichnet seit der Schließung eines nahen Konkurrenten einen deutlichen Kundenanstieg. Der Apotheker reagierte mit einer Erweiterung des Kassenbereichs und der Einstellung zusätzlichen Personals, um die gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Doch trotz des regen Betriebs wachsen die finanziellen Belastungen – und bedrohen seine Existenz.
Müller eröffnete seine erste Apotheke 2020, zwei Jahre nach seiner Selbstständigkeit. Die jüngste Schließung der City-Apotheke brachte einen unerwarteten Andrang mit sich, der ihn zum schnellen Handeln zwang: Er erweiterte den Kassenbereich und stellte weitere Mitarbeiter ein, um den erhöhten Kundenverkehr zu stemmen.
Um sein Team zu entlasten, installierte Müller zudem einen rund um die Uhr zugänglichen Medikamenten-Automaten für die Abholung von Arzneimitteln. Das Gerät übernimmt nun viele rezeptfreie Anfragen und entlastet so die Mitarbeiter für andere Aufgaben.
Doch mehr Kunden bedeuten nicht automatisch höhere Gewinne. Steigende Lohnkosten und der Umstieg auf E-Rezepte schmälern die Margen. Häufige Ausfälle im Telematiksystem – das für die Abwicklung digitaler Rezepte genutzt wird – sorgen für zusätzliche Frustration, besonders in Apotheken in der Nähe von Arztpraxen. Müller gibt zu, dass die finanzielle Belastung spürbar ist, bleibt aber vorsichtig optimistisch in Bezug auf künftiges Wachstum.
Die Schließung einer Konkurrenzapotheke bescherte Müllers Betrieb zwar einen vorübergehenden Aufschwung. Doch bei steigenden Kosten und unzuverlässigen Digitalsystemen bleibt die langfristige Perspektive ungewiss. Vorerst passt er weiterhin seine Abläufe an – zwischen gestiegener Nachfrage und schrumpfenden Gewinnen.






