26 March 2026, 22:12

Berliner Haus der Kulturen der Welt steckt in tiefer Identitäts- und Finanzkrise

Plakat für die Berliner Secession mit einer Frau in einem grünen Kleid und einem Mann in einem schwarzen Anzug

Berliner Haus der Kulturen der Welt steckt in tiefer Identitäts- und Finanzkrise

Das Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer wachsenden Krise nach einer Reihe von Kontroversen. Die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket wegen eines pro-palästinensischen T-Shirts hat einen Boykott deutscher Künstler ausgelöst. Gleichzeitig sorgen Kürzungen der Fördergelder und die Programmgestaltung des Hauses für scharfe Kritik von Politikern und Kulturschaffenden.

Die jüngsten Konflikte haben das internationale Ansehen des HKW weiter geschwächt – ausgerechnet in einer Phase, in der die Institution um Relevanz im Herzen der deutschen Bundespolitik kämpft.

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Der Streit begann, als der schwäbische Rapper Chefket, vom Goethe-Institut als "Rap-Botschafter" bezeichnet, im HKW auftreten sollte. Seine Entscheidung, ein "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels zu tragen, löste massive Proteste aus. Kulturminister Wolfram Weimer griff ein und zwang das Haus zur Absage des Konzerts.

Als Reaktion zogen alle anderen deutschen Künstler, die im HKW geplant waren, ihre Auftritte aus Solidarität zurück. Der Boykott verschärfte die ohnehin bestehenden Spannungen über die Ausrichtung der Institution unter Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, einem kamerunischen Biologen, der seit 2023 als Intendant amtiert. Sein "postkoloniales" Programm steht in der Kritik der deutschen Kulturelite, die ihm vorwirft, das lokale Publikum zu verprellen.

Die finanzielle Not verschärft die Krise. Die Bundesförderung für das HKW wurde drastisch gekürzt – von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 9,8 Millionen bis 2025 – nach Haushaltskürzungen der Koalitionsregierung. Proteste und Medienberichte folgten, wodurch das Haus zunehmend auf private und Länder-Mittel angewiesen ist. Selbst prominente Versuche, das Interesse neu zu wecken, wie die Ausstellung Die Möglichkeit des Unvernunft von Jan Böhmermann, konnten die negative Wahrnehmung nicht ändern.

Das HKW veranstaltet zwar weiterhin internationale Acts, etwa das jüngste Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch der Chefket-Skandal und die Finanzkämpfe haben dem Ruf des Hauses schwer geschadet. Ein Kritiker spottete, deutsche Rapper könnten den Nahostkonflikt kaum lösen – ein Seitenhieb auf die vermeintliche Überdehnung des HKW in geopolitische Debatten.

Die Folgen des abgesagten Chefket-Konzerts haben tiefere Gräben über Rolle und Führung des HKW offenbart. Mit schrumpfender Bundesförderung und einem anhaltenden Kulturboykott steht die Institution vor einer ungewissen Zukunft. Ob sie sich erholen kann, hängt davon ab, ob es gelingt, das Vertrauen zurückzugewinnen – bei Künstlern wie bei den Politikern, die ihre Probleme lange ignoriert haben.

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