Bergisch Gladbach kämpft mit 50-Millionen-Loch und plant Steuererhöhungen
Nelly GirschnerBergisch Gladbach kämpft mit 50-Millionen-Loch und plant Steuererhöhungen
Bergisch Gladbach steht vor finanziellen Engpässen: Die Stadt rechnet mit einem jährlichen Haushaltsdefizit von rund 50 Millionen Euro. Um die Lücke zu schließen, schlagen die Verantwortlichen eine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern vor, um jährlich zusätzliche 4 Millionen Euro einzunehmen. Die Herausforderungen wurden kürzlich in einer Veranstaltung der BürgerAkademie dargestellt, geleitet vom Stadtkämmerer Thore Eggert (FDP).
Das über 500 Seiten starke Haushaltsdokument, voller technischer Details, macht es vielen Bürgerinnen und Bürgern schwer nachzuvollziehen, wofür die Gelder genau verwendet werden. Eggert betonte, dass er in seiner Funktion als Kämmerer die Verwaltung vertrete – und nicht parteipolitische Interessen.
Beim Workshop erläuterte Eggert, dass der Großteil der städtischen Ausgaben bereits fest verplant sei. Sozialleistungen und steigende Personalkosten seien die größten Kostentreiber, sodass kaum Spielraum für Kürzungen bleibe. Der Haushaltsplan, der normalerweise vor Dezember vom Stadtrat verabschiedet wird, verzögert sich in diesem Jahr aufgrund der Kommunalwahlen.
Trotz der angespannten Finanzlage hat Bergisch Gladbach für 2026 Investitionen in Höhe von 126 Millionen Euro eingeplant. Die Mittel sollen in Schulen, Straßen, Kinderbetreuung und die lang ersehnte Neugestaltung des Zanders-Industriegeländes fließen. Doch Eggert dämpfte die Erwartungen: Das Zanders-Projekt bleibe unsicher. Es sei "ein Marathon, kein Sprint", und wann es wirtschaftlich tragfähig werde, stehe noch in den Sternen.
Die BürgerAkademie-Veranstaltung sollte Transparenz schaffen – etwa darüber, wo Ausgaben unvermeidbar sind und wo sich sparen ließe. Angesichts der geringen flexiblen Posten bleiben die Handlungsmöglichkeiten der Stadt jedoch begrenzt.
Der Haushaltsentwurf muss letztlich vom Rat beschlossen werden, doch durch die Verzögerungen könnten Entscheidungen bis ins neue Jahr hineinziehen. Höhere Steuern mögen das Defizit lindern, doch der Löwenanteil der Ausgaben – für Soziales und Löhne – bleibt festgeschrieben. Große Vorhaben wie Zanders hängen derweil in der Schwebe, abhängig von künftigen Finanzmitteln und der wirtschaftlichen Entwicklung.