Atommüll-Transport aus Jülich nach Ahaus beginnt trotz Proteste und Rechtsstreit
Patrik WesackAtommüll-Transport aus Jülich nach Ahaus beginnt trotz Proteste und Rechtsstreit
Deutschland bereitet die Verbringung von atomarem Abfall aus dem stillgelegten Forschungsreaktor des Jülicher Forschungszentrums zu einem Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus vor. Der Transport beginnt nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten und Protesten – die ersten Lieferungen sind für nächste Woche geplant. Trotz anhaltender Widerstände werden die Verbringungen im Rahmen eines Plans mit über 50 Einzeltransporten durchgeführt.
Der Versuchsreaktor in Jülich wurde bereits 1988 abgeschaltet, doch der radioaktive Abfall lagert seitdem vor Ort. Seit 2013 betreibt das Zwischenlager dort ohne gültige Genehmigung, was die Behörden zum Handeln zwang. Sowohl die Stadt Ahaus als auch Atomkraftgegner hatten versucht, die Transporte zu stoppen, mit dem Argument, dass auch die Genehmigung des Ahauser Zwischenlagers 2036 ausläuft. Ihre Klagen blieben jedoch erfolglos.
Alle 152 Behälter mit dem Atommüll sollen schrittweise umgelagert werden – obwohl in Deutschland frühestens in den 2070er-Jahren mit einem Endlager zu rechnen ist. Eine längere Aufbewahrung in Jülich lehnen die Verantwortlichen ab, sodass Ahaus als einzige kurzfristige Lösung bleibt. Unterdessen wird weiter über kleine modulare Reaktoren (SMR) als mögliche Energiequelle der Zukunft diskutiert, auch wenn es sie bisher nur als theoretische Entwürfe gibt.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Deutschland die Debatte um die Kernenergie wiederaufnimmt – beeinflusst auch von europäischen Spitzenpolitikern wie Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron. Doch der unmittelbare Fokus liegt auf der sicheren Verbringung des Atommülls, während eine langfristige Lagerlösung noch Jahrzehnte auf sich warten lässt.
Schon nächste Woche starten die ersten Transporte – der Beginn eines langwierigen Logistikvorhabens. Da ein Endlager in weiter Ferne liegt, bleiben die Castor-Behälter vorerst bis mindestens 2036 in Ahaus. Der Umzug unterstreicht die ungelösten Herausforderungen Deutschlands im Umgang mit dem nuklearen Erbe.






