Warum Wähler der Demokratie den Rücken kehren und Populisten vertrauen
Nelly GirschnerWarum Wähler der Demokratie den Rücken kehren und Populisten vertrauen
Misstrauensgemeinschaften: Warum sich Wähler von der Demokratie abwenden
In seinem neuen Buch untersucht der Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum sich manche Wähler von der Demokratie ab- und populistischen Bewegungen zuwenden. "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert, wie der schwindende Glaube an Institutionen – etwa Gerichte, Wissenschaft und Medien – die Unterstützung für Parteien wie die rechtspopulistische AfD in Deutschland befeuert. Die Studie wirft zudem ein Licht auf globale Entwicklungen, darunter den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump in den USA.
El-Mafaalani zeigt auf, wie sich Misstrauen über digitale Netzwerke verbreitet. Menschen, die das Vertrauen in etablierte Quellen verlieren, bilden oft eng vernetzte Online-Gruppen. Diese "Misstrauensgemeinschaften" verlassen sich ausschließlich aufeinander und auf populistische Führungspersönlichkeiten – traditionelle Institutionen werden ausgegrenzt.
Das Wachstum der AfD folgt diesem Muster. 2013 als euroskeptische Partei während der Finanzkrise gegründet, erreichte sie zunächst 4,7 Prozent der Stimmen, verfehlte aber den Einzug ins Parlament. Ein radikaler Wandel vollzog sich 2015, als die Flüchtlingskrise die Partei zu einer harten Migrationspolitik trieb. Dieser Kurswechsel steigerte ihre landesweite Popularität und prägte die deutsche Politik neu – wenn auch rund ein Fünftel der damals 21.000 Mitglieder über die Neuausrichtung die Partei verließ.
Laut El-Mafaalani wird selbst die Bloßstellung der AfD-Inkompetenz ihre Anhänger nicht zurück zur Demokratie führen. Seine Arbeit legt nahe, dass tief verwurzeltes Misstrauen nur schwer umkehrbar ist. Das Buch skizziert jedoch mögliche Strategien, um populistischen Einfluss zu bekämpfen, bevor er sich weiter verfestigt.
Die Erkenntnisse des Soziologen verdeutlichen eine anhaltende Herausforderung für Demokratien: Wer etablierte Institutionen ablehnt, kehrt selten zurück – selbst wenn populistische Versprechen scheitern. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit frühzeitiger Gegenmaßnahmen, bevor das Misstrauen unumkehrbar wird.






