Warum die Fasnet immer leiser wird: Schweineblasen in der Krise
Nelly GirschnerStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Warum die Fasnet immer leiser wird: Schweineblasen in der Krise
Jedes Jahr während der schwäbisch-alemannischen Fasnet hallt das scharfe Knallen der Saublodere durch die Straßen. Diese traditionellen Lärmmacher aus aufgeblasenen Schweineblasen sind ebenso ikonisch wie Masken und Narrenkostüme. Doch steigende Kosten und Lieferengpässe haben einige Zünfte dazu veranlasst, stattdessen auf Rinderblasen umzusteigen.
Die Herstellung einer Saublodere beginnt mit der Beschaffung der Blasen bei örtlichen Metzgern. Jede wird entleert, in Lake eingelegt und sorgfältig gereinigt, bevor sie auf Mängel überprüft wird. Nur die robustesten Blasen werden ausgewählt und anschließend mit Druckluft aufgeblasen.
Ist die Blase fertig, wird sie an einen Hagenschwanz gebunden – meist ein Stiergenital oder eine Kuhschwanz. Wird sie kräftig auf den Boden geschlagen, entsteht ein lautes, aufschreckendes Knallen. Der Lärm ist fester Bestandteil der Fasnetsfeiern in Städten wie Rottenburg, wo die Schweineblase zudem als Symbol für Eitelkeit und Völlerei steht.
In den vergangenen Jahren sind drei aktive Fasnetszünfte in Baden-Württemberg – in Rottweil, Offenburg und Stuttgart – auf Rinderblasen umgestiegen. Diese sind größer und haltbarer und überdauern länger als Schweineblasen, die oft schon nach wenigen Umzügen verschlissen sind. Der Wechsel folgt EU-Importbeschränkungen und Tierseuchenausbrüchen seit 2022, die Schweineblasen schwerer verfügbar und teurer gemacht haben.
Die Saublodere bleibt dennoch ein zentraler Bestandteil der Fasnetstradition, auch wenn sich die Materialien wandeln. Die Zünfte balancieren zwischen Brauchtum und Pragmatismus, passen sich den Knappheiten an und halten dabei den lauten, festlichen Geist lebendig. Der Umstieg auf Rinderblasen spiegelt die größeren Herausforderungen wider, traditionelle Utensilien zu beschaffen.
