Warum Deutschlands 177 Milliarden Euro Gold im Ausland lagern – und warum das riskant ist
Patrik WesackWarum Deutschlands 177 Milliarden Euro Gold im Ausland lagern – und warum das riskant ist
Gold bleibt ein einzigartiges Asset – denn es ist frei von Kontrahentenrisiken. Das unterscheidet es von Papierwährungen und Finanzinstrumenten. Doch selbst physisches Gold, das in Banktresoren lagert, ist nicht völlig risikofrei, wie aktuelle Ereignisse zeigen. Angesichts eines Marktwerts der deutschen Goldreserven im Ausland von rund 177 Milliarden Euro wird die Debatte über Sicherheit und Rückholung immer hitziger.
Der Satz "Gold ist Geld – alles andere ist Kredit" stammt aus dem Jahr 1912 und wird dem Finanzier John Pierpont Morgan zugeschrieben. Im Gegensatz zu Papiergeld, das auf das Vertrauen in Institutionen angewiesen ist, besitzt Gold einen intrinsischen Wert. Doch auch das macht es nicht vollständig immun gegen Risiken. Selbst wenn es in Banktresoren verwahrt wird, hängt seine Sicherheit von Dritten ab – wie der spektakuläre Goldraub 2023 bei der Sparkasse in Gelsenkirchen zeigte, bei dem Diebe Goldbarren im Millionenwert stahlen.
Noch größer sind die Risiken für Anleger in "Papiergold" wie ETFs oder Futures. Im schlimmsten Fall könnten sie ihr gesamtes Kapital verlieren, falls die emittierende Institution insolvent wird. Der starke Anstieg der Goldpreises in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Risiken zusätzlich verschärft: Allein die im Ausland gelagerten deutschen Reserven stiegen von 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf heute 177 Milliarden Euro an.
Von den 3.352 Tonnen Gold, über die die Bundesbank verfügt, lagern fast die Hälfte – 1.641 Tonnen – im Ausland: 1.236 Tonnen in New York und 405 Tonnen in London. Die Forderungen nach einer Rückholung dieser Bestände werden lauter, angetrieben von geopolitischen Spannungen und der Sorge vor Kontrahentenrisiken. Doch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel lehnt eine Verlegung ab und betont, das aktuelle System sei sicher.
Die Diskussion um die Sicherheit von Gold offenbart ein zentrales Dilemma: Zwar entgeht das Edelmetall den Kontrahentenrisiken von Papiervermögen, doch seine physische Lagerung bleibt von externen Schutzmechanismen abhängig. Solange fast die Hälfte der deutschen Reserven im Ausland liegt, bleibt die Balance zwischen Vertrauen in ausländische Institutionen und dem Wunsch nach größerer Kontrolle ungelöst. Die Bundesbank hält vorerst an ihrer Position fest – doch die Debatte ist damit nicht beendet.
