Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Marlene SeifertVon Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Evangelische Kirche in Solingen: Gleichberechtigung im Pfarramt wird Realität
Die Evangelische Kirche in Solingen erlebt einen stetigen Wandel hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit unter ihren Geistlichen. Heute sind die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Frauen – ein Wandel, der Jahrzehnte des Fortschritts widerspiegelt. Superintendentin Dr. Ilka Werner betont die Bedeutung von Vielfalt in der Kirche, sei es in Bezug auf Geschlecht, Alter oder sexuelle Orientierung.
Der Weg begann 1975, als die Evangelische Kirche im Rheinland die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst verankerte. Gisela Vogel wurde die erste Pfarrerin der Region, doch ihr Ernennungsschreiben trug noch eine handschriftliche Korrektur: Aus „Lieber Bruder Vogel“ wurde „Liebe Frau Vogel“. Später durchbrach sie weitere Barrieren, als sie als erste Oberkirchenrätin in ein Gremium von zwanzig Männern einzog.
Während des Zweiten Weltkriegs hatten Frauen vorübergehend Pfarrämter übernommen, wurden nach Rückkehr der Männer jedoch wieder verdrängt. Dr. Ilka Werner, heute Superintendentin des Kirchenkreises, erlebte selbst Vorbehalte – etwa wenn es darum ging, ob Frauen Gemeinden leiten oder Theologie unterrichten könnten.
Raphaela Demski-Galla, die 2006 ihr Theologiestudium begann, fand eine veränderte Landschaft vor. Gleichberechtigung war längst keine bloße Richtlinie mehr, sondern gelebte Praxis. Dennoch bemerkte sie weiterhin Unterschiede, insbesondere bei der Vereinbarkeit von Familie und Pfarrdienst. Im Gespräch mit Vogel, die sie einst „Schwester“ nannte, wurde ihr bewusst, wie weit die Kirche in 50 Jahren gekommen ist.
Im Solinger Kirchenkreis sind heute 13 der 26 Pfarrer:innen Frauen. Verantwortliche wie Werner und Demski-Galla argumentieren, dass unterschiedliche Hintergründe – ob in Geschlecht, Identität oder Lebenserfahrung – die seelsorgerische Arbeit bereichern. Die Kirche bleibt im Wandel und strebt danach, die Vielfalt ihrer eigenen Gemeinschaft widerzuspiegeln.
