Verbotene Chemikalien wie Lilial bleiben in EU-Kosmetik erhältlich – trotz Strengeregeln
Patrik WesackVerbotene Chemikalien wie Lilial bleiben in EU-Kosmetik erhältlich – trotz Strengeregeln
Verbotene Kosmetik-Inhaltsstoffe werden in Europa weiterhin online verkauft – trotz strenger Vorschriften
Eine Untersuchung von CORRECTIV zeigt: Produkte mit schädlichen Substanzen – darunter Lilial (BMHCA), ein Chemikalie, die mit Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht wird – sind auf großen Plattformen wie Amazon und AliExpress weiterhin erhältlich.
Der Duftstoff Lilial (BMHCA) wurde in der EU bereits vor über vier Jahren verboten, nachdem Bedenken wegen möglicher Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit aufkamen. Dennoch ließ sich im März 2023 eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel mit diesem Stoff problemlos online bestellen. CORRECTIV erwarb zudem drei weitere verbotene Produkte, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon. Betroffen sind in Deutschland auch bekannte Marken wie Nivea (Beiersdorf) und Schauma (Henkel).
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Lilial. Auch andere gefährliche Substanzen wie PFAS ("Ewigkeitschemikalien") und Hydrochinon – ein wahrscheinlich krebserregender Hautaufheller – tauchten in gemeldeten Kosmetikartikeln auf. Trotz aller Bemühungen erfasst das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate nur einen Bruchteil der bedenklichen Produkte. Die Behörden testen zu wenige Proben, um mit der Flut neuer Artikel Schritt zu halten.
Seit 2013 wurden über 4.000 Kosmetikprodukte wegen Gesundheitsrisiken vom EU-Markt genommen. Dennoch sind aktuell rund 600.000 Kosmetikartikel im Umlauf, täglich kommen etwa 800 Neuheiten hinzu. 2025 prüfte die Europäische Kommission über 1,6 Millionen Websites und entdeckte mehr als 20.000 illegale Produkte – viele davon auf Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress.
Am 15. April 2026 soll die EU über die "Chemicals Omnibus"-Novelle abstimmen. Wird sie verabschiedet, könnte sich die Übergangszeit für verbotene Produkte von 18 Monaten auf bis zu sechs Jahre verlängern.
Die Untersuchung offenbart gravierende Vollzugslücken, durch die verbotene Kosmetik weiterhin zu Verbrauchern gelangt. Angesichts tausender illegaler Produkte auf dem Markt stehen die Aufsichtsbehörden vor enormen Herausforderungen. Die anstehende EU-Abstimmung könnte die Entfernung gefährlicher Substanzen aus den Regalen weiter verzögern.






