06 May 2026, 02:06

TwinKomplex: Wie ein Berliner Spiel interaktives Storytelling neu erfindet

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

TwinKomplex: Wie ein Berliner Spiel interaktives Storytelling neu erfindet

TwinKomplex: Ein neues Online-Spiel revolutioniert interaktives Storytelling

Seit seinem Start im November sorgt das neue Online-Spiel TwinKomplex für Furore. Auf Englisch und Deutsch verfügbar, bietet es den Spieler:innen genug Inhalt für ganze drei Monate Spielspaß. Was es besonders macht, ist seine tiefe Interaktivität – die Nutzer:innen gestalten die Handlung selbst mit, und die Ergebnisse bleiben unvorhersehbar.

Entwickelt wurde das Spiel von Ludic Philosophy, einem Studio unter der Leitung von Dr. Martin Burckhardt. Der Firmensitz befindet sich in einem verlassenen Flughafengebäude in Berlin. TwinKomplex führt dabei ein ungewöhnliches Feature ein: Hal 9001, eine KI, die als falsche Spieler:in in den Teams des Spiels agiert.

Bevor Agent:innen ihre erste Mission beginnen, müssen sie einen psychologischen Test absolvieren. Die Erzählung reagiert darauf, wie die Spieler:innen Ereignisse verknüpfen, und schafft so ein komplexes Geflecht möglicher Handlungsstränge. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von früheren Versuchen interaktiven Storytellings, wie etwa der Webserie Aim High von Warner Bros. aus dem Jahr 2011, die versuchte, von Zuschauer:innen generierte Inhalte in Fernsehformate zu integrieren.

Interaktives Erzählen ist kein völlig neues Phänomen. Schon Heavy Rain wurde einst für die Verbindung von Spielmechanik und filmischer Tiefe gefeiert. Doch TwinKomplex geht noch einen Schritt weiter, indem es den Spieler:innen erlaubt, die Geschichte selbst zu schreiben. Selbst ältere Theorien, wie Aristoteles’ dramatische Struktur aus dem Jahr 335 v. Chr. – mit Protasis, Epitasis und Katastrophe – zeigen, wie lange sich die Menschheit bereits mit Erzählformen beschäftigt. Dennoch, wie Kritiker:innen anmerken: Allein das Einfügen eines Facebook-Fotos in eine Filmszene macht noch kein echtes interaktives Erlebnis aus.

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TwinKomplex hebt sich dadurch ab, dass es den Spieler:innen echte Kontrolle über die Handlung überlässt. Mit KI-gesteuerten Interaktionen und monatelangem Content lotet das Spiel die Grenzen dessen aus, was ein Online-Spiel leisten kann. Das Experiment in einem verlassenen Berliner Flughafen könnte die Art und Weise, wie Geschichten in digitalen Räumen erzählt werden, neu definieren.

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