Totensonntag 2023: Warum der VfL Bochum sein Spiel um 18 Uhr anpassen musste
Marlene SeifertTotensonntag 2023: Warum der VfL Bochum sein Spiel um 18 Uhr anpassen musste
Deutschland beging am vergangenen Sonntag den Totensonntag, den evangelischen Buß- und Bettag. An diesem stillen Feiertag gelten strenge Regeln für Unterhaltung – von Fußball bis Film. Kritiker fragen jedoch, ob diese langjährigen Traditionen im modernen Leben noch einen klaren Sinn ergeben.
In Nordrhein-Westfalen war Unterhaltung bis 18 Uhr verboten. Die U23-Mannschaft des VfL Bochum passte ihren Spielplan an und trat im Duell gegen den FC Gütersloh punkt 18 Uhr an, um die Vorschriften einzuhalten. Selbst die übliche Vor-Spiel-Hymne Bochum blieb wegen der Restriktionen ungespielt.
Die feierliche Stimmung des Tages beschränkt sich nicht auf den Sport. Über 750 Filme, darunter Klassiker und Komödien, stehen auf der FSK-Indexliste und dürfen an Karfreitag nicht gezeigt werden. Ein mutmaßlich betroffener Titel ist Heidi auf der Alm – möglicherweise wegen der kritischen Darstellung der Kirche durch den Alm-Öhi. Der Einfluss der Religionen in Deutschland erstreckt sich auch auf die Medien: Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche sitzen in den Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Sender und gestalten dort gemeinsam mit Gewerkschaften, Arbeitgebern und politischen Gruppen die Programme mit. Diese Gremien überwachen Inhalte, Budgets und Strategien, um Pluralismus und Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Doch der Einfluss der Kirchen geht über die Medien hinaus. Finanzämter ziehen für religiöse Gemeinschaften die Kirchensteuer ein – ein System, das manche als Bevorzugung organisierter Glaubensgemeinschaften kritisieren.
Die Regeln des Totensonntags prägen noch immer das öffentliche Leben – von verschobenen Fußballspielen bis zu eingeschränkten Filmvorführungen. Die Feierlichkeiten spiegeln die engen Verbindungen zwischen Staat und Religion in Deutschland wider, auch wenn ihre Bedeutung heute zunehmend hinterfragt wird. Vorerst jedoch bleiben die Traditionen – und ihre Auswirkungen – fest verankert.
