Thyssenkrupp zieht sich aus der Stahlproduktion zurück – und setzt auf Wasserstoff
Marlene SeifertThyssenkrupp zieht sich aus der Stahlproduktion zurück – und setzt auf Wasserstoff
Thyssenkrupp hat vereinbart, seinen verbleibenden Anteil an den Stahlwerken Krupp Mannesmann (HKM) bis Juni 2026 an Salzgitter AG zu verkaufen. Der Deal markiert einen weiteren wichtigen Schritt im laufenden Umstrukturierungsprozess des Konzerns. Unterdessen ist der Aktienkurs des Unternehmens im vergangenen Jahr um etwa 152 Prozent gestiegen.
Die deutsche Industriegruppe hat in den letzten Jahren schrittweise ihr Engagement in der Stahlbranche reduziert. Zwischen 2021 und 2025 sank die Rohstahlproduktion von etwa 11 Millionen Tonnen auf rund 9 Millionen Tonnen. Dieser Rückgang folgte auf den Verkauf der Sparte Steel Europe an tschechische Investoren im Jahr 2023 sowie weitere Umstrukturierungsmaßnahmen. Im Vergleich dazu hielten Konkurrenten wie ArcelorMittal und Tata Steel deutlich höhere Produktionsvolumina aufrecht: ArcelorMittal erzeugte jährlich rund 70 Millionen Tonnen, während Tata Steel trotz der schwierigen Marktbedingungen in Europa stabil bei 20 bis 25 Millionen Tonnen blieb.
Das Unternehmen hat zudem das Ende seiner Brammen-Lieferverträge mit HKM um vier Jahre vorgezogen. Die Verträge laufen nun bereits Ende 2028 aus – statt wie ursprünglich geplant 2032. Dieser Schritt unterstreicht die strategische Neuausrichtung Thyssenkrupps weg von der klassischen Stahlproduktion.
Gleichzeitig baut der Konzern seine Aktivitäten im Bereich grüner Technologien aus. Die Wasserstofftochter Nucera dringt über eine Partnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in den indischen Markt ein. Die Stahlsparte steht jedoch weiterhin unter Druck durch steigende Kosten für die CO₂-arme Produktion und schwierige Marktbedingungen. Die nächste Finanzmitteilung von Thyssenkrupp, die das erste Quartal 2025/26 abdeckt, wird am 12. Februar 2026 erwartet.
Mit dem Verkauf des HKM-Anteils vollendet Thyssenkrupp eine weitere Phase seines Rückzugs aus der Stahlherstellung. Da die Brammen-Lieferverträge früher als geplant enden, richtet das Unternehmen sein Geschäft zunehmend auf Wasserstoff und andere Zukunftsbranchen aus. Die finanzielle Performance und weitere strategische Weichenstellungen werden mit den anstehenden Quartalszahlen deutlicher werden.
