08 February 2026, 04:21

Thyssenkrupp und Salzgitter: Zwei Wege in die grüne Stahlzukunft

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Fabrikszene in der Cadillac Steel Works, das Arbeiter bei der Bedienung einer großen Maschine zeigt, umgeben von Leitern und Stangen.

Thyssenkrupp und Salzgitter: Zwei Wege in die grüne Stahlzukunft

In der europäischen Stahlindustrie zeichnen sich bedeutende Verschiebungen ab, da zwei zentrale Akteure, Thyssenkrupp und Salzgitter, gegensätzliche Wege einschlagen. Der Marktwert von Thyssenkrupp hat sich seit Anfang 2025 mehr als verdoppelt und liegt nun zwischen 7,00 und 7,20 Milliarden Euro. Unterdessen hat Salzgitter seine Position durch die Übernahme des HKM-Werks in Duisburg gestärkt und so die Unsicherheit auf dem Markt verringert.

Beide Unternehmen steuern den Wandel zur klimaneutralen Stahlproduktion, doch ihre Strategien – und die Reaktionen der Anleger – könnten unterschiedlicher nicht sein.

Der Aktienkurs von Thyssenkrupp ist im vergangenen Jahr stark gestiegen und hat sich seit Februar 2025 um mehr als 100 Prozent erhöht. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich derzeit auf etwa 7,00 bis 7,20 Milliarden Euro bei rund 623 Millionen ausstehenden Aktien. Trotz dieses Wachstums bleibt die Aktie volatil, insbesondere nach dem Verkauf der HKM-Beteiligung, der zwar einen Teil des Drucks minderte, aber Bedenken hinsichtlich der prognostizierten Nettoverluste hinterließ.

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Thyssenkrupp ist in verschiedenen Branchen aktiv – von U-Booten und Autoteilen bis zum Stahlhandel. Die aktuelle Strategie des Konzerns zielt darauf ab, das Unternehmen aufzuspalten und nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte zu veräußern. Das herausragende Asset ist Nucera, die Wasserstofftochter und weltweit führend in der Elektrolysetechnologie – eine Schlüsseltechnologie für die Herstellung von grünem Stahl. Zwar verfügt Thyssenkrupp über einen deutlichen technologischen Vorsprung, doch bleiben Anleger angesichts der Umsetzungsrisiken skeptisch.

Salzgitter hingegen verfolgt einen fokussierteren Ansatz. Durch die Übernahme des Duisburger Werks von HKM sichert sich das Unternehmen die Lieferkette für die grüne Transformation. Dieser Schritt beseitigt Marktunsicherheiten und passt zur SALCOS-Initiative, einem der fortschrittlichsten Dekarbonisierungsprojekte für die Stahlproduktion in Europa. Die Anlagen sind bereits im Bau, und die Prozesse sind klar definiert.

Das Vertrauen der Anleger in Salzgitter ist hoch, was sich in einem Aktienkurs nahe dem Allzeithoch widerspiegelt. Die Strategie von Vorstandsvorsitzendem Gunnar Groebler findet Unterstützung, auch wenn das Unternehmen stärker den zyklischen Risiken des Stahlmarkts ausgesetzt ist. Im Vergleich zu Thyssenkrupp bietet Salzgitter eine stabilere Bewertung und eine konstante Dividendenhistorie.

Die Reaktionen auf den HKM-Deal fallen gemischt aus. Einige Anleger begrüßen die verringerte Unsicherheit, andere hinterfragen die langfristigen Auswirkungen auf den Wettbewerb. Thyssenkrupps Diversifizierung und das potenzielle Aufwärtspotenzial durch die geplante Aufspaltung wecken weiterhin Interesse, doch die Erfolgsbilanz bei der Umsetzung bleibt ein Sorgenkind.

Salzgitters Widerstandsfähigkeit gründet auf dem spezialisierten Fokus auf Stahlproduktion und -verarbeitung. Die Initiativen des Unternehmens für grünen Stahl, gestützt durch konkrete Projekte wie SALCOS, bieten eine klarere Roadmap als Thyssenkrupps breiter angelegte, aber risikoreichere Restrukturierungsbemühungen.

Zwar ist der Marktwert von Thyssenkrupp in die Höhe geschnellt, doch hängt seine Zukunft davon ab, ob die Aufspaltungsstrategie erfolgreich umgesetzt wird und ob es gelingt, das Potenzial von Nuceras Wasserstofftechnologie zu nutzen. Salzgitter hingegen setzt mit gezielten Übernahmen und Dekarbonisierungsprojekten auf Stabilität, trägt aber gleichzeitig das Risiko von Schwankungen auf dem Stahlmarkt.

Die gegensätzlichen Ansätze verdeutlichen unterschiedliche Risiken und Chancen: Thyssenkrupps Stärke liegt in seiner Diversifizierung und Innovationskraft, während Salzgitter durch seinen fokussierten, projektgetriebenen Übergang zu grünem Stahl überzeugt.