Thüringen braucht eine landeseigene Bahn – Städtetag fordert radikale SPNV-Reform
Nelly GirschnerNRW-Stadtrat für eine landeseigene Bahn - Thüringen braucht eine landeseigene Bahn – Städtetag fordert radikale SPNV-Reform
Der Städtetag Nordrhein-Westfalen fordert eine grundlegende Reform des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Thüringen. Der Verband schlägt die Gründung eines vollständig in Landesbesitz befindlichen Eisenbahnunternehmens vor, das das bestehende System ersetzen soll. Begündet wird dies damit, dass Kommunen weder über ausreichende Finanzmittel verfügen noch ungerechtfertigten Haftungsrisiken ausgesetzt sein sollten. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund der Pläne von Verkehrsminister Oliver Krischer, die Steuerung des SPNV in Thüringen zu zentralisieren.
Hunderttausende Fahrgäste in Thüringen sind täglich auf Regionalzüge angewiesen – für den Arbeitsweg, berufliche Fahrten oder private Reisen. Doch der Städtetag wirft der Landesregierung vor, zu wenig finanzielle Unterstützung zu leisten und die Kommunen nicht vor rechtlichen Risiken zu schützen, die mit Entscheidungen zusammenhängen, auf die sie kaum Einfluss haben.
Die Vereinigung betont: Wenn das Land die Planung, den Betrieb und die Gestaltung der Verkehrsleistungen in Thüringen übernimmt, müsse es auch die volle Verantwortung tragen. Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Städtetag Thüringen, unterstützt das Modell einer landeseigenen Bahn und verweist auf dessen erfolgreiche Umsetzung in anderen Bundesländern. Seiner Ansicht nach brauchen die Kommunen in Thüringen finanzielle Spielräume, um ein nahtloses Verkehrsnetz mit besseren Anbindungen, Mobilitätsknotenpunkten und ergänzenden Angeboten aufzubauen.
Aktuell dominiert DB Regio mit einem Marktanteil von 92 Prozent den Regionalverkehr in Deutschland. Der Städtetag ist jedoch überzeugt, dass ein landeseigenes Unternehmen in Thüringen eine zuverlässigere Lösung bieten würde – besonders vor dem Hintergrund von Krischers Plänen, durch eine Zentralisierung Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu verbessern.
Der Vorschlag zielt darauf ab, die finanziellen und operativen Lasten von den Kommunen in Thüringen zu nehmen. Sollte er umgesetzt werden, könnte dies die Steuerung des Regionalverkehrs in Thüringen grundlegend verändern. Die Landesregierung hat sich bisher noch nicht zu den Forderungen des Städtetags geäußert.
