Stuttgarts skurrile Pannen: Wenn aus Tippfehlern Stiftungen werden
Marlene SeifertStuttgarts skurrile Pannen: Wenn aus Tippfehlern Stiftungen werden
Stuttgart hat in den letzten Monaten so manche skurrile Verwechslung erlebt. Von seltsamen Tippfehlern in offiziellen Dokumenten bis hin zu versehentlich gegründeten Stiftungen – die Verwaltungs-Pannen der Stadt sorgten gleichermaßen für Lacher und Verwirrung. Gleichzeitig hielten lokale Veranstaltungen wie das „Fest der Gemästeten“ und eine neue Kneipp-Anlage die Einwohner bei Laune.
Im Juni führte ein simpler Schreibfehler zur unfreiwilligen Gründung einer Stiftung. Ein Notar vertippte sich und setzte „Fernsehkunst“ in „Fernschreibkunst“ um – heraus kam die „Stiftung zur Förderung der Stuttgarter Fernschreibkunst“, die erst nach der Unterzeichnung der Papiere als Irrtum auffiel.
Ein weiterer Fauxpas passierte im Naturkundemuseum: Dort warb ein Vorabhinweis für ein Interview mit dem Aktivisten Can Dündar fälschlich für eine Diskussion über Filz statt über Pilze. Die Korrektur kam zu spät, sodass manche Besucher ratlos zurückblieben. Schon zuvor hatte ein Tippfehler in einem Rezept eine erfundene städtische Behörde erschaffen: das „Amt für Tierbau, Grünflächen und Umwelt“. Die Verwaltung musste klarstellen, dass es eine solche Institution gar nicht gibt. Die Pannenreihe riss nicht ab: Ein „fötales Konzert“ wurde als „verbale Feuerwerke“ angekündigt, und „Beschlüsse des Gemeinderats“ sollten fast als „Hinrichtungen“ verkündet werden. Trotz aller Verwirrung ging das Leben in Stuttgart jedoch mit gewohntem Charme weiter.
Im Mai zog das „Fest der Gemästeten“ Besucher mit Vorträgen zur Straßenbahn-Erweiterung und einem regen Flohmarkt für Bücherliebhaber in seinen Bann. Abseits der Tippfehler feierte die Stadt Neuerungen: Der Wochenmarkt veranstaltete eine „Kirchenernte“, und am Ufer der Echaz eröffnete eine Kneipp-Wasserheilanstalt. Unterdessen kündigte der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck seinen Rückzug aus der Politik an – um an der Universität Berkeley eine Gastprofessur anzutreten. Zumindest diese Meldung war kein Tippfehler.
Die Serie der Missgeschicke hat Stuttgart einige kurieuse Fußnoten in seinen Akten beschert. Die versehentlich gegründete Stiftung existiert weiterhin – wenn auch nur auf dem Papier –, während die korrigierten Ankündigungen nun ihre eigentliche Bedeutung widerspiegeln. Für die Einheimischen sind die Pannen längst zum amüsanten Gesprächsstoff geworden – ohne dass sie den Reiz der lebendigen Veranstaltungen und neuen Gemeinschaftsorte der Stadt schmälern würden.
