Streit um Zeiterfassung: Sollten Lehrer auch in den Ferien an Schulen sein?
Marlene SeifertStreit um Zeiterfassung: Sollten Lehrer auch in den Ferien an Schulen sein?
In Nordrhein-Westfalen ist ein Streit über Pläne zur Zeiterfassung von Lehrkräften entbrannt. Bildungsministerin Dorothee Feller schlug vor, die Präsenzzeiten an Schulen auszuweiten – selbst in den Ferien –, im Gegenzug für flexiblere Regelungen bei der Arbeitszeiterfassung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die Vorschläge scharf als realitätsfremd und rechtlich fragwürdig.
Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Gerichtsurteil, das die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte vorsieht. Doch die Umsetzung stockt weiterhin, da es Streit über Arbeitsbelastung und personelle Ressourcen gibt.
Der Konflikt eskalierte, nachdem Ministerin Feller angedeutet hatte, dass Lehrkräfte verpflichtend auch außerhalb der regulären Dienstzeiten und möglicherweise in den Ferien an Schulen anwesend sein müssten. Sie präsentierte dies als Kompromiss für gelockerte Zeiterfassungsregeln. Die GEW wies den Vorschlag jedoch zurück und argumentierte, dass solche Forderungen die ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Lehrkräfte ignorierten.
Studien belegen seit Langem, dass Lehrkräfte durch Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen und administrative Aufgaben erhebliche unbezahlte Überstunden leisten. Die GEW betont, dass die Arbeitszeiterfassung keine Forderung der Gewerkschaft, sondern eine gesetzliche Verpflichtung sei – wie vom Bundesarbeitsgericht bestätigt. Ayla Çelik, Landesvorsitzende der GEW, erklärte, Zeiterfassung sei ein Recht und kein "Privileg" und solle der Gesundheit des Personals dienen, statt dessen Freiheiten einzuschränken.
Feller bezeichnete die vollständige Umsetzung der Arbeitszeiterfassung als komplex und bevorzugt eine abgestimmte Lösung mit anderen Bundesländern. Pilotprojekte, wie sie in Bremen für 2026/27 geplant sind, werden diskutiert, doch konkrete Pläne für NRW bleiben vage. Die GEW lehnt jedoch jeden Zusammenhang zwischen Zeiterfassung und erhöhter Präsenzpflicht ab und wirft Feller vor, die Schulrealität zu verkennen.
Die Gewerkschaft fordert nun eine offene Debatte über Arbeitsbelastung, Ressourcen und wirksame Entlastungsmaßnahmen. Sie verweist auf jahrelange Forschungsergebnisse, die belegen, dass Lehrkräfte überlastet sind – im Widerspruch zu Fellers Aussage, dass Vollzeitkräfte nicht strukturell überarbeitet seien.
Die rechtliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung besteht zwar weiter, doch ihre Einführung in NRW verzögert sich durch politische und gewerkschaftliche Auseinandersetzungen. Fellers Pläne für eine ausgeweitete Schulpräsenz stoßen bei der GEW auf vehementen Widerstand, die stattdessen gesundheitsorientierte Lösungen einfordert.
Bisher wurde keine endgültige Entscheidung getroffen, sodass Lehrkräfte und Schulen weiterhin in Ungewissheit über die künftigen Arbeitsbedingungen bleiben.
