Solinger Grundschulen kämpfen mit Pflicht-ABC-Kursen für Kinder ohne Deutschkenntnisse
Nelly GirschnerSolinger Grundschulen kämpfen mit Pflicht-ABC-Kursen für Kinder ohne Deutschkenntnisse
Grundschulen in Solingen vor großen Herausforderungen: NRW führt verpflichtende 'ABC-Kurse' für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen ein
Die Grundschulen in Solingen stehen vor enormen Problemen, während Nordrhein-Westfalen die Einführung verpflichtender 'ABC-Kurse' für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen vorbereitet. Die neue Regelung, die von Bildungsministerin Dorothee Feller angekündigt wurde, soll sicherstellen, dass kein Kind ohne ausreichende Sprachkompetenz die Schule beginnt. Doch die Schulen in der Region sind bereits am Limit – wie die Umsetzung in der Praxis gelingen soll, bleibt unklar.
Rund 12.500 Kinder im Land wurden im vergangenen Jahr aufgrund schwacher Deutschkenntnisse in Frühförderprogramme aufgenommen. Künftig müssen Kinder, die bei Sprachstandstests durchfallen, vor Schulbeginn die ABC-Kurse besuchen. Doch in Solingen arbeiten die Grundschulen bereits an ihrer Kapazitätsgrenze: Lernräume sind knapp, und Teile der Nachmittagsbetreuung finden in provisorischen Containern statt.
Sozialpädagog:innen, die junge Lernende unterstützen, sind überlastet und befürchten, dass zusätzliche Sprachfördergruppen die Bildungsqualität weiter verschlechtern könnten. Viele Grundschulen kämpfen zudem mit Lehrkräftemangel, was zu häufigen Unterrichtsausfällen führt. Unklar ist auch, wer die zusätzliche Förderung übernehmen soll – qualifiziertes Personal ist Mangelware.
Fachleute kritisieren, dass die ABC-Kurse das Problem lediglich von Kitas in die ohnehin schon überlasteten Schulen verlagern. Jens Merten, Vorsitzender des VBE in Solingen, hält die Logistik für 'unrealistisch': Kinder mehrmals pro Woche zwischen Kita und Schule zu transportieren, sei kaum umsetzbar. Stattdessen schlagen Kritiker:innen vor, multidisziplinäre Teams auszubauen, um Kindern langfristig individuellere Förderung zu bieten.
Ohne zusätzliche Räume oder Mittel droht die Maßnahme die Schulen weiter zu überlasten – mit der Gefahr von Frustration und Burnout beim Personal. Die Landesregierung wird vorgeworfen, die Verantwortung auf die Kommunen abzuwälzen, ohne die nötigen Ressourcen für Neubau oder Planung bereitzustellen.
Bisher bleibt der ABC-Kurs ein theoretisches Konzept, solange nicht mehr Personal und Infrastruktur bereitstehen. Schulen warnen, dass eine verpflichtende Teilnahme die bestehenden Probleme verschärfen statt lösen könnte. Der Erfolg der Reform hängt davon ab, ob es gelingt, die chronischen Engpässe im Grundschulbereich der Region zu beheben.
