02 February 2026, 08:06

Sichere Häfen: Wie zwei Bahnhöfe Frauen vor Gewalt schützen

Eine Gruppe verzweifelter Menschen sitzt in einem Zug, mit einer Frau in der Mitte, die einen Korb hält, während der Text oben und unten 'Unschuld in einer Omnibus' lautet.

Bundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Sichere Häfen: Wie zwei Bahnhöfe Frauen vor Gewalt schützen

Seit 2024 gibt es an zwei großen deutschen Bahnhöfen Pilot-Beratungsstellen für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Die Einrichtungen am Berliner Hauptbahnhof und am Kölner Hauptbahnhof bieten spezialisierte Hilfe in einer nicht einschüchternden Umgebung an. Offizielle Statistiken verzeichnen einen Anstieg der gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt, wobei die Gründe dafür weiterhin diskutiert werden.

Die erste Anlaufstelle wurde am 15. August 2024 in Berlin eröffnet, die zweite folgte am 29. September 2025 in Köln. Beide werden ausschließlich von Polizistinnen betrieben, die darauf geschult sind, Opfer von Misshandlung zu unterstützen. Seit ihrer Inbetriebnahme haben sie bereits über 200 Fälle bearbeitet und Betroffenen Beratung sowie praktische Hilfe angeboten.

Im Gegensatz zu klassischen Polizeidienststellen bieten die Zentren eine einladendere Atmosphäre für die Opfer. Die Mitarbeiterinnen organisieren unter anderem medizinische Versorgung, dokumentieren Beweise für Übergriffe oder vermitteln Plätze in Frauenhäusern. In einigen Fällen helfen sie auch dabei, Gewalttäter vorübergehend aus gemeinsamen Wohnungen zu entfernen.

Allein im Jahr 2024 registrierte die Polizei 187.128 weibliche Opfer häuslicher Gewalt – ein Anstieg von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Expert:innen führen diese Entwicklung entweder auf eine Zunahme der Vorfälle oder auf eine höhere Bereitschaft zurück, solche Taten anzuzeigen. Der Bundesinnenminister hat inzwischen zu verstärkten politischen Maßnahmen aufgerufen, um das Problem zu bekämpfen.

Stand Februar 2026 sind keine weiteren Standorte für ähnliche Einrichtungen bestätigt. Auch die Zukunft der bestehenden Pilotprojekte am Berlin Ostbahnhof und in Köln über September 2027 hinaus ist noch ungewiss.

Die beiden Beratungsstellen arbeiten weiterhin und decken einen wachsenden Bedarf an Opferhilfe ab. Ihre Wirkung ist messbar: Hunderten Frauen wurde seit 2024 geholfen. Doch ob und wie die Einrichtungen langfristig fortgeführt oder ausgeweitet werden, steht noch nicht fest.

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