13 June 2026, 12:07

Seltener Gedichtband von Wolfram Weimer löst Debatte über Zensur und Kultur aus

"Pilzdeckel" für alle

Seltener Gedichtband von Wolfram Weimer löst Debatte über Zensur und Kultur aus

Die Aktivistin Martha Root hat der Deutschen Nationalbibliothek eine seltene Ausgabe der Debütsgedichtsammlung von Kulturminister Wolfram Weimer geschenkt. Der unter dem Titel „Kopfpilz“ erschienene Band war 1986 von Weimer im Alter von 22 Jahren im Selbstverlag veröffentlicht worden. Root hat zudem Schritte unternommen, um das umstrittene Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im März hatte Weimer den lang geplanten Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek gestoppt. Zur Begründung führte er an, physische Mediensammlungen hätten im digitalen Zeitalter an Bedeutung verloren. Diese Entscheidung geriet nach Roots Spende in die Kritik.

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Root hat inzwischen eine digitalisierte Version von „Kopfpilz“ auf Archive.org hochgeladen, wo sie kostenlos heruntergeladen werden kann. Zudem plant sie, ein physisches Exemplar zu versteigern – der gesamte Erlös soll an die Leseförderinitiative „Lesen Hilft“ gehen. Die Sammlung war wegen ihrer derben und gewaltverherrlichenden Inhalte in die Kritik geraten; Root wirft einigen Gedichten vor, eine „Vergewaltigungskultur“ zu verherrlichen.

Erstmals größere Aufmerksamkeit erlangte die Lyrik im November 2022, als der Satiriker Jan Böhmermann „Kopfpilz“ in seiner Sendung „ZDF Magazin Royal“ vorstellte und damit die umstrittenen Passagen einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Root selbst ist für ihre spektakulären Aktionen bekannt: So hatte sie etwa beim Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“ infiltriert.

Die Spende und Digitalisierung von „Kopfpilz“ haben die Debatte über Weimers frühes Werk neu entfacht. Die Versteigerung soll die Leseförderung unterstützen und gleichzeitig den Zugang zur Sammlung sichern. Der Ausbau der Bibliothek bleibt vorerst ausgesetzt – ihre Zukunft ist ungewiss.

Quelle