Rheinwasser flutet bald den Tagebau Hambach – ein Jahrhundertprojekt beginnt
Patrik WesackRheinwasser flutet bald den Tagebau Hambach – ein Jahrhundertprojekt beginnt
Großprojekt zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser hat begonnen
Drei riesige Tagebaustätten sollen ab 2030 in Seen verwandelt werden – beginnend mit dem Tagebau Hambach. Behörden und der Energiekonzern RWE bezeichnen das Vorhaben als mutigen Schritt hin zu ökologischer Erneuerung und touristischer Aufwertung.
Die erste Phase startete mit einem symbolischen Spatenstich in Elsdorf und markiert den Baubeginn einer 45 Kilometer langen Pipeline. Das Projekt stößt sowohl auf Zustimmung für seine visionäre Ausrichtung als auch auf Kritik wegen möglicher Risiken für die Wasserqualität und der langfristigen Stabilität.
Herzstück der Umgestaltung: Eine 45 Kilometer lange Pipeline Das Leitungssystem besteht aus 10.000 massiven Rohren – einige mit einem Durchmesser von über zwei Metern – und soll Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten, wo die Flutung 2030 beginnen soll. Die Tagebaue Garzweiler und Inden folgen 2036 bzw. 2040.
Die Befüllung der Seen wird voraussichtlich vier Jahrzehnte dauern, wobei über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Rheinwasser zugeführt werden muss. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als Symbol für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen" und versprach neue Seen, ausgeglichene Wasserkreisläufe und den Erhalt von Feuchtgebieten. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller begrüßte das Projekt und tauft den künftigen Hambacher See bereits "Elsdorfer See" – mit der Erwartung, dass die Stadt dadurch an Bekanntheit gewinnt.
Genehmigungen erteilt – doch wichtige Freigabe steht noch aus Die notwendigen Bewilligungen für den Pipelinebau und die Wasserentnahme liegen vor, darunter eine zentrale Zustimmung der Bezirksregierung Arnsberg aus dem Frühjahr 2026. Noch ausstehend ist jedoch die finale Erlaubnis zur Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach. Die Behörden in Krefeld und das Wasser- und Schifffahrtsamt koordinieren das Verfahren; mit dem Beginn der Rheinwasser-Einleitung wird im Herbst 2026 gerechnet.
Kritiker bleiben skeptisch Umweltverbände wie der BUND und "Alle Dörfer bleiben" warnen vor Risiken für die Wasserqualität und langfristigen Grundwasserproblemen. Der Planungsgegner Andreas Büttgen bezeichnete RWEs Vorgehen zwar als "erstklassige Unternehmensstrategie", stellte aber infrage, ob der Konzern das Projekt tatsächlich langfristig durchziehen werde.
Vision: Seen als Tourismusmagnete und Lebensraum RWE sieht in den künftigen Seen Potenzial für Tourismus, Freizeitgestaltung und eine höhere Lebensqualität. Der Energiekonzern betont, dass aus den einst von Bergbau geprägten Flächen neue Naturlandschaften entstehen sollen.
Die Flutung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden wird die Region in den nächsten 40 Jahren grundlegend verändern. Bei Erfolg könnten die Seen wirtschaftliche und ökologische Vorteile bringen – vorausgesetzt, das Wassermanagement bleibt dauerhaft gesichert. Der langfristige Erfolg hängt jedoch von anhaltenden behördlichen Genehmigungen und dem weiteren Engagement von RWE ab.






