Paderborn: Studie enthüllt jahrzehntelanges Vertuschen von Missbrauch durch Kardinäle
Nelly GirschnerStudie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Paderborn: Studie enthüllt jahrzehntelanges Vertuschen von Missbrauch durch Kardinäle
Eine unabhängige Studie hat schwere Versäumnisse bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Paderborn über einen Zeitraum von acht Jahrzehnten aufgedeckt. Die Forscherinnen kamen zu dem Ergebnis, dass zwei ehemalige Kardinäle wiederholt Täter schützten, während sie die Opfer ignorierten. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum von 1941 bis 2022; weitere Ermittlungen laufen noch.
Im Mittelpunkt der Studie steht das Erzbistum Paderborn, eines der sieben wichtigsten katholischen Bistümer Deutschlands. Es erstreckt sich über weite Teile Nordrhein-Westfalens – von Minden im Norden bis Siegen im Süden – und umfasst zudem Gebiete in Hessen und Niedersachsen. Mit über 1,3 Millionen Katholiken in der Region handelt es sich um eine der zentralen Institutionen der deutschen Kirche.
Die Historikerinnen Nicole Priesching und Christine Hartigen leiteten die Forschung, deren Veröffentlichung ursprünglich früher geplant war. Aufgrund der COVID-19-Pandemie und der Entdeckung zusätzlichen Quellenmaterials verzögert sich die vollständige Veröffentlichung jedoch bis 2026. Ihr vorläufiger Bericht zeigt, dass die Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt systematisch Missbrauchstäter deckten. Beide Kirchenführer hätten den Geschädigten laut den Erkenntnissen kaum Beachtung geschenkt.
In einer zweiten Phase wird nun die Amtszeit von Hans-Josef Becker untersucht, der von 2002 bis 2022 Erzbischof war. Das Erzbistum verwies unterdessen auf seine aktuellen Präventionsmaßnahmen, darunter Programme wie Fokus-Prävention und Augen auf. Diese Initiativen zielen auf institutionellen Schutz und offenen Dialog ab, um Vertrauen zurückzugewinnen. Während es bisher keine direkte Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen die ehemaligen Kardinäle gibt, verweisen andere Bistümer wie Aachen auf laufende unabhängige Untersuchungen als Teil umfassender Maßnahmen gegen Gewalt.
Da die vollständige Studie erst 2026 erscheinen wird, bleiben die vorläufigen Ergebnisse vorerst der Beleg für das Versagen hoher Kirchenvertreter in der Vergangenheit. Die heutige Führung setzt unterdessen weiter auf Präventionsstrategien, um die seit Langem bestehenden Probleme anzugehen.
