NRW-Tafeln kämpfen ums Überleben – drohende Schließungen gefährden Tausende Bedürftige
Marlene SeifertNRW-Tafeln kämpfen ums Überleben – drohende Schließungen gefährden Tausende Bedürftige
Tafeln in Nordrhein-Westfalen stehen vor wachsender Krise – mehrere Standorte drohen zu schließen
In Nordrhein-Westfalen geraten immer mehr Tafeln in existenzielle Not: Mehrere zentrale Einrichtungen könnten bald ihre Pforten schließen. In Moers, wo die örtliche Tafel als wichtiger Knotenpunkt für 14 weitere im Niederrhein fungiert, steht der Verlust der Räumlichkeiten bevor. Doch das Problem ist flächendeckend – ähnliche Schließungsdrohungen gibt es in Düsseldorf und Bonn.
Die Tafel in Moers, die seit 14 Jahren von Raffaele Corda geleitet wird, sucht verzweifelt nach neuen Räumen, nachdem der Mietvertrag ausläuft. Corda, der seit 2010 ehrenamtlich dort tätig ist, warnt, er könnte zurücktreten, falls keine Lösung gefunden wird. Die Stadt Moers unterstützt bei der Suche nach einem Ersatzstandort, doch die Zeit wird knapp.
Doch Moers ist kein Einzelfall: Die Düsseldorfer Tafel hat ihre Räume bereits verloren, und in Bonn steht eine Räumung unmittelbar bevor. Die Schließungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage ungebrochen hoch ist: Bis zu 400.000 Menschen in der Region sind auf die Tafeln angewiesen, um sich mit lebensnotwendigen Lebensmitteln zu versorgen. Angesichts der Tatsache, dass der Bürgergeld-Regelsatz für eine alleinstehende Person gerade einmal 563 Euro im Monat beträgt, können sich viele die grundlegendsten Dinge nicht leisten.
Der Sozialwissenschaftler Professor Fabian Kessl kritisiert die Abhängigkeit des Systems von freiwilligen Spenden. Ohne einen gesetzlich garantierten Anspruch auf Unterstützung könnten Tafeln keine dauerhafte Lösung sein, argumentiert er. Das Netzwerk in Nordrhein-Westfalen umfasst laut Angaben von Tafel Deutschland aus dem Jahr 2024 über 170 lokale Standorte und 500 Ausgabestellen. Doch selbst dieser große Apparat steht unter enormem Druck.
Der mögliche Wegfall zentraler Tafeln würde die Versorgung Tausender Bedürftiger gefährden. Allein Moers koordiniert die Hilfe für 14 weitere Standorte – sein Fortbestand ist daher von entscheidender Bedeutung. Ohne neue Räume oder langfristige Finanzierung könnte die Situation für die Schwächsten in der Region noch prekärer werden.






