Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Patrik WesackSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Maria Kolesnikowa, die bekannte belarussische Oppositionsführerin, hat in einer feierlichen Zeremonie in Aachen den Internationalen Karlspreis erhalten. Die Auszeichnung, die ihr ursprünglich bereits 2022 zuerkannt worden war, würdigt ihren Einsatz für Demokratie und freie Wahlen in Belarus. Kolesnikowa war Ende 2025 nach fünf Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen worden.
Bekannt wurde Kolesnikowa während der Massenproteste 2020 gegen den langjährigen Machthaber Belarusslands, Alexander Lukaschenko. Für ihren Widerstand wurde sie zu elf Jahren in einer Strafkolonie verurteilt, doch im Dezember 2025 kam sie im Rahmen einer größeren Haftentenlassung frei. Diese erfolgte nach US-vermittelten Verhandlungen, bei denen 123 politische Gefangene im Austausch gegen Lockerungen der Sanktionen freigelassen wurden.
Der Karlspreis, der seit 1950 jährlich verliehen wird, ehrt Persönlichkeiten für ihren Beitrag zur europäischen Einigung. Zu den früheren Preisträgern zählen Papst Franziskus, Emmanuel Macron und Bill Clinton. Kolesnikowa nahm die Auszeichnung im Aachener Krönungssaal entgegen, wo die Veranstalter ihren "außergewöhnlichen Mut" im Widerstand gegen das autoritäre Regime würdigten.
Nach ihrer Freilassung erhielt sie in Deutschland politisches Asyl. Unterdessen hält Lukaschenkos Regierung trotz begrenzter diplomatischer Öffnungsschritte – wie dem Beitritt zu einem von den USA initiierten Friedensrat Anfang 2026 – die Repression aufrecht. Trotz dieser Gesten dauern Menschenrechtsverletzungen an, und Belarus bleibt unter internationaler Kritik digital isoliert.
In diesem Jahr geht der Karlspreis an Mario Draghi, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank und italienischen Ministerpräsidenten.
Kolesnikowas Auszeichnung unterstreicht ihre zentrale Rolle in der belarussischen Demokratiebewegung. Doch ihre Freilassung hat die allgemeine Unterdrückung im Land nicht gemildert. Die Regierung steht weiterhin wegen ihrer Menschenrechtspolitik in der internationalen Kritik. Lukaschenkos selektive Haftentenlassungen scheinen vor allem darauf abzuzielen, den westlichen Druck zu verringern, ohne dabei die Macht aus der Hand zu geben.