"La Parabole du Seum": Eine dreistündige Hommage an Körper, Wut und Marginalisierung
Marlene Seifert"La Parabole du Seum": Eine dreistündige Hommage an Körper, Wut und Marginalisierung
Eine kühne neue Performance: La Parabole du Seum feiert Premiere mit einer fast dreistündigen Erkundung von Körper, Identität und Kampf
Unter der Regie von Rébecca Chaillon nimmt das Stück das Publikum mit auf eine intensive Reise durch persönliche und kollektive Erfahrungen von Körperlichkeit und Marginalisierung. Den Auftakt bildete Julie Teuf, die dem Publikum Butter verteilte – mit der Aufforderung, sie zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen, bei der der Gewinner oder die Gewinnerin Lebensmittel im Wert eines Zehntels des eigenen Körpergewichts erhalten sollte. Die Darsteller:innen, gekleidet in leuchtend gelbe, butterfarbene Roben, erklommen anschließend Berge aus Butter auf der Bühne und setzten damit den Ton für den Abend.
Die Performance entwickelte sich weiter mit einer Nachstellung der Abnehm-Show The Biggest Loser. Die Ensemblemitglieder bedeckten sich gegenseitig mit Gelee und verbanden dabei humorvolle Momente mit schonungslosen Gesprächen über ihre Kindheit in den Pariser Banlieues, körperliche Gewalt und die Belastung, in stigmatisierten Körpern zu leben. Der Titel selbst spielt mit mehreren Bedeutungen: „Parabel“, „Satellitenschüssel“ und seum – ein französischer Slangausdruck für Wut und Frustration.
Die ungewöhnlich lange Spieldauer ergab sich aus einem live durchgeführten Butterherstellungsprozess. Diese langsame, bedachte Handlung bildete das Rückgrat der Aufführung und spiegelte zugleich die eigene Lebensgeschichte der Regisseurin wider. Chaillon, die sich selbst als fett identifiziert, ließ sich von den Biografien eines Popstars und einer Astrophysikerin aus derselben stigmatisierten Banlieue inspirieren.
Die Inszenierung verband spektakuläre Bilder mit tiefgründigen persönlichen Erzählungen. Sie rückte die Realitäten marginalisierter Körper ins Rampenlicht und zog das Publikum in ein sinnliches wie emotionales Erlebnis hinein. Die Verlosung, die Butter und die ungeschönten Geschichten hinterließen bei den Zuschauer:innen einen bleibenden Eindruck.






