03 February 2026, 00:13

Jede dritte Apotheke in Deutschland kämpft gegen den finanziellen Kollaps

Ein Plakat mit Text und Logo, auf dem steht "Reduzierung der Arzneimittelkosten unter der Biden-Harris-Regierung".

Jede dritte Apotheke in Deutschland kämpft gegen den finanziellen Kollaps

Apotheken in Deutschland kämpfen ums Überleben – jede dritte Apotheke steht unter finanziellem Druck

Lokale Apotheken in Deutschland sehen sich zunehmendem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt: Fast jede dritte Apotheke kämpft ums Überleben. Steigende Kosten und veraltete Gebührenstrukturen bringen viele Apotheken an den Rand des Ruins. Gleichzeitig sorgt ein geplantes Reformvorhaben für Bedenken – insbesondere im Wettbewerb mit Online-Apotheken und bei der Patientenversorgung.

Im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken seit 2012 von vier auf nur noch eine geschrumpft. Die Entwicklung spiegelt landesweite Herausforderungen wider: Die staatlich festgelegten Vergütungen für Präsenzapotheken haben sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert.

Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), traf kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer zusammen. Er schildert die prekäre Lage: Die Personalkosten und Betriebskosten der Apotheken sind seit 2003 um 65 Prozent gestiegen. Doch die einzige Anpassung der Vergütung – eine Erhöhung um 3,1 Prozent im Jahr 2013 – reicht bei Weitem nicht aus, um die Existenz vieler Apotheken zu sichern.

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Der Reformvorschlag der Koalitionsregierung enttäuscht die Apotheker: Versprochene Gebührenerhöhungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Zudem fehlt eine rechtliche Absicherung der Festpreisregelung für Medikamente, die bisher stabile Arzneimittelkosten für Verbraucher garantiert. Besonders umstritten ist die mögliche Abschaffung der Pflicht, dass Apotheker vor Ort anwesend sein müssen – Kritiker warnen vor Risiken für die Patientensicherheit.

Oberbürgermeisterin Dr. Bauer, selbst Juristin, zeigt sich in einem Punkt kompromisslos: Sie fordert die Wiedereinführung eines Versandhandelsverbots für verschreibungspflichtige Medikamente. Dieser Schritt sei gerechtfertigt, wenn Online-Apotheken nicht dieselbe Versorgungsqualität wie lokale Apotheken bieten könnten. Der unfaire Wettbewerb durch Anbieter ohne vollständige pharmazeutische Betreuung gefährdet flächendeckende Versorgung.

Trotz der angespannten Finanzlage musste 2023 keine Apotheke in Deutschland wegen Insolvenz schließen – die Gesamtzahl stieg sogar leicht an. Dennoch will Dr. Bauer sich auf Bundes- und Landesebene für bessere Rahmenbedingungen einsetzen. Zudem plant sie, über den Deutschen Städtetag den Fachkräftemangel in Bielefeld anzugehen.

Der aktuelle Reformvorschlag lässt zentrale Fragen offen, etwa zu Gebührenerhöhungen und dem Schutz der Festpreise. Die Präsenzapotheken bleiben weiter mit steigenden Kosten und der Konkurrenz durch Online-Apotheken konfrontiert. Ohne Kurskorrekturen steht die langfristige Stabilität des deutschen Apothekennetzes auf dem Spiel.