Igor Levit kämpft mit Schostakowitsch gegen Hass und Antisemitismus in Wien
Tom GießIgor Levit kämpft mit Schostakowitsch gegen Hass und Antisemitismus in Wien
Der weltbekannte Pianist Igor Levit gibt vom 17. bis 22. Oktober eine Konzertreihe zu Ehren Schostakowitschs in Wiens Musikverein – zu einer Zeit, in der Europas Kulturszene mit wachsenden Spannungen aufgrund von Antisemitismus und politischem Aktivismus konfrontiert ist. Levit, seit über einem Jahrzehnt eine der prägendsten Figuren der klassischen Musik, erhebt seit Langem seine Stimme gegen Hass und Ungerechtigkeit.
1987 in Nischni Nowgorod geboren, zog Levit mit acht Jahren nach Hannover und entwickelte sich später zu einem der gefeiertsten Pianisten der Welt. Doch sein Engagement geht weit über die Musik hinaus: Für seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte erhielt er 2020 Auszeichnungen vom Internationalen Auschwitz-Komitee sowie das Bundesverdienstkreuz.
Angesichts der jüngsten Welle antisemitischer Vorfälle in Europa hat Levits Aktivismus an Dringlichkeit gewonnen. Seit Oktober 2023 geraten Kultureinrichtungen zunehmend unter Druck von pro-palästinensischen Gruppen, israelische Künstler zu boykottieren. Gleichzeitig werfen Künstler und Filmemacher, die sich gegen solche Boykotte stellen, Veranstaltungsorten Zensur vor. So löste etwa die Beschränkung pro-palästinensischer Äußerungen auf der Berlinale 2025/26 durch die Festivalleitung Proteste von über 100 Persönlichkeiten wie Javier Bardem und Arundhati Roy aus.
Levit scheut dabei auch kontroverse Positionen nicht. Er verurteilte die Absage eines Konzerts des Dirigenten Lahav Shani in Belgien als Akt des Antisemitismus und der Feigheit. Bei der Wiedereröffnung der Münchner Reichenbach-Synagoge spielte er, während Bundeskanzler Merz eine bewegende Rede hielt, die ihn zu Tränen rührte.
In seiner anstehenden Reihe sieht Levit tiefe Parallelen zwischen Schostakowitschs Musik und den heutigen gesellschaftlichen Kämpfen. Besonders Ravel Kaddisch – ein jüdisches Trauergebet – spiegle mit seiner düsteren Stimmung die aktuelle Atmosphäre von Angst und Spaltung wider. Trotz Dankbarkeit für seine Karriere gesteht er eine tiefe Traurigkeit angesichts des wachsenden Hasses in Europa.
Die Konzerte im Musikverein werden die Kraft der Musik unterstreichen, unangenehme Wahrheiten zu benennen. Levits Einsatz bleibt eine Herausforderung für Antisemitismus wie für das Schweigen derer, die ihn dulden. Die Reihe findet statt, während Kultureinrichtungen zunehmend polarisierte Debatten über Meinungsfreiheit und Diskriminierung führen müssen.