13 March 2026, 00:10

HKM in Duisburg gerettet – doch Tausende Arbeitsplätze bleiben in Gefahr

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines geschäftigen Stahlwerks aus den 1910er Jahren, voller Menschen und industrieller Ausrüstung, mit dem Text "1910er Jahre Stahlwerk" unten.

HKM in Duisburg gerettet – doch Tausende Arbeitsplätze bleiben in Gefahr

Das traditionsreiche Hüttenwerk Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg entgeht nach 116 Jahren Betrieb nur knapp der Schließung. Die Salzgitter AG sprang mit einem Rettungsdeal ein und stellt 200 Millionen Euro für die Modernisierung des Werks bereit – unter anderem für den Bau eines Lichtbogenofens. Doch trotz dieser Lebensverlängerung bleiben Fragen zur langfristigen Zukunft der Arbeitsplätze und der Produktionskapazität offen.

Die Rettung des Standorts basiert auf einer strengen Vereinbarung zwischen Thyssenkrupp, dem Mehrheitseigner, und der Salzgitter AG. Thyssenkrupp strebt einen schnellen Ausstieg aus HKM an und unterstützt den Wandel finanziell. Laut dem Deal sollen rund 1.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben, doch fast 2.000 Beschäftigte könnten in den kommenden Jahren das Werk verlassen.

Marco Gasse, Vorsitzender des Betriebsrats bei HKM, warnte, dass die erste Welle der Stellenstreichungen 300 bis 600 Mitarbeiter treffen könnte. Unklar ist noch, ob diese Kürzungen ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden können. Aktuell produziert das Werk über vier Millionen Tonnen Stahl jährlich, doch die zukünftige Auslastung ist ungewiss – auch wegen der veralteten Hochöfen.

Die Krise bei HKM spiegelt die größeren Herausforderungen der deutschen Stahlindustrie wider, die sich auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion befindet. Zwar soll Europa bis 2032 mit einem jährlichen Wachstum von 63,20 Prozent zum zweitgrößten Markt für grünen Stahl werden, doch die Begeisterung ist verflogen. Hoher Strombedarf, Infrastrukturengpässe und die fehlende Bereitschaft, Aufpreise für nachhaltigen Stahl zu zahlen, bremsen den Fortschritt aus. Vorreiter wie ArcelorMittal, Stegra und SSAB treiben die Wende voran, gestützt durch EU-Initiativen wie den Industrial Accelerator Act.

In Duisburg zeigen sich die Politiker geschlossen solidarisiert mit den Stahlarbeitern in der Krise. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) kritisierte den Deal jedoch als Täuschungsmanöver und verwies auf die massiven Arbeitsplatzverluste sowie die volkswirtschaftlichen Folgen.

Die Investition der Salzgitter AG sichert zwar das kurzfristige Überleben von HKM, doch die langfristige Stabilität hängt von der Modernisierung und der Marktnachfrage ab. Mit Tausenden gefährdeten Arbeitsplätzen und unklaren Produktionszahlen könnte der Ausgang dieser Rettung zum Präzedenzfall für die gesamte deutsche Stahlbranche werden. Der Umstieg auf grünen Stahl bleibt eine entscheidende Bewährungsprobe – für Unternehmen wie für die Politik.

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