Fords Europa-Chef steht vor gewaltigen Herausforderungen in Köln
Patrik WesackFords Europa-Chef steht vor gewaltigen Herausforderungen in Köln
Fords europäische Sparte steht unter neuer Führung und veränderten Marktanforderungen vor tiefgreifenden Umbrüchen. Seit dem 20. Oktober 2025 leitet Jim Baumbick als Präsident Ford Europa – zu einer Zeit, in der das Unternehmen mit rückläufigen Absatzzahlen, Stellenstreichungen und einer ins Stocken geratenen Elektroauto-Strategie kämpft.
Das Kölner Werk, das in den 1980er-Jahren noch 50.000 Beschäftigte zählte, muss weitere Kürzungen verkraften: Bis 2027 sollen 3.700 weitere Arbeitsplätze wegfallen.
Fords Probleme in Europa begannen mit einem falsch eingeschätzten Einstieg in den Elektroauto-Markt. Statt bezahlbarer Modelle brachte das Unternehmen zu spät teure E-Fahrzeuge auf den Markt und verpasste so die Kundennachfrage. Das Kölner Werk, ausgelegt für eine Jahresproduktion von 250.000 Fahrzeugen, läuft derzeit nur mit 26 Prozent Auslastung – bedingt durch schwache Verkäufe der Modelle Explorer und Capri.
Mitte Dezember passte Konzernchef Jim Farley die Strategie an die geänderte US-Politik unter Präsident Donald Trump an. Die Streichung von Steuervergünstigungen für E-Autos und Trumps Unterstützung für Verbrennermotoren führten dazu, dass Ford die Entwicklung der zweiten Generation seiner E-Fahrzeuge für den US-Markt einstellte – mit einem Abschreibungsvolumen von 19,5 Milliarden Dollar. Unterdessen ist Fords Marktanteil bei Pkw in Europa auf knapp über drei Prozent gesunken.
Das Unternehmen plant zwar günstigere Elektroautos, doch diese sollen in Kooperation mit Renault in Frankreich gebaut werden – nicht in Köln. Die Gewerkschaften stehen diesem Bündnis skeptisch gegenüber und fürchten, es könnte sich die Übernahme von Opel durch Peugeot mit der späteren Eingliederung in Stellantis wiederholen. Die Arbeitsplatzverluste sind bereits spürbar: 2024 rollte der letzte Focus vom Band im saarländischen Saarlouis – ohne direkten Nachfolger, was zur Werksschließung führte.
Fords europäisches Geschäft steht nun am Scheideweg. Das Kölner Werk, einst ein großer Arbeitgeber, wird weiter schrumpfen, während künftige E-Autos auf Renaults Produktionslinien angewiesen sein werden. Angesichts sinkender Marktanteile und fehlender Perspektiven für eine Erholung werden die nächsten Schritte des Konzerns über seine langfristige Präsenz in Europa entscheiden.
