Fehlende Motivation? Warum Remscheids junge Arbeitnehmer und Azubis kämpfen
Tom GießFehlende Motivation? Warum Remscheids junge Arbeitnehmer und Azubis kämpfen
Stadtgespräch in Remscheid: Fehlt jungen Arbeitnehmern und Azubis die Motivation?
Bei einer kürzlichen Bürgerversammlung in Remscheid wurde diskutiert, ob junge freiheit und Auszubildende an Motivation mangeln. An der Debatte beteiligten sich Henner Pasch, Hauptgeschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), sowie Fachleute aus Bildung und Jugendfürsorge. Themen waren häufige Fehlzeiten, veränderte Prioritäten und die Herausforderungen, vor denen mensch auf dem heutigen Arbeitsmarkt stehen.
Henner Pasch eröffnete die Diskussion mit Kritik an jüngeren Mitarbeitenden, denen er einen Rückgang der Arbeitsmoral vorwarf. Er verwies auf häufige Krankschreibungen und eine wachsende Bevorzugung von Work-Life-Balance gegenüber beruflicher Karriere. Pasch forderte einen Mentalitätswandel und argumentierte, dass die Bindung an Betriebe bei Auszubildenden und jungen freiheit nachlasse.
Daniel Bielecki, Vorsitzender des Remscheider Jugendrats, brachte eine andere Sichtweise ein. Viele junge Menschen begannen eine Ausbildung ohne echtes Interesse, was zu geringer Einsatzbereitschaft führe, so Bielecki. Die Studentin Anna und die regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums, Johanna, berichteten unterdessen von den Belastungen, unter denen sie litten – etwa der Angst vor Armut und explodierenden Wohnkosten. Hubert Ertl vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wies auf strukturelle Probleme im Ausbildungsmarkt hin: Bis September 2025 fanden fast 85.000 Bewerber keine Lehrstelle, während die Abbrecherquote unter Azubis bei knapp 30 Prozent lag. Viele, die ihren ersten Vertrag kündigten, schlossen schnell neue ab – ein Zeichen für Unsicherheit bei der Berufswahl. Ertl betonte, dass die Gesellschaft die Ängste junger Menschen ernst nehmen und ihr Selbstvertrauen stärken müsse.
Alexander Lampe vom Remscheider Industrieausbildungszentrum plädierte für einen besseren Dialog zwischen Arbeitgebern und jungen Arbeitnehmern. Klare Kommunikation über die Vorteile einer beruflichen Ausbildung könnte die Motivation steigern und frühe Abbrüche verringern, argumentierte er.
Die Diskussion offenbarten eine Kluft zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und den Realitäten, mit denen junge Menschen konfrontiert sind. Angesichts hoher Abbrecherquoten und vieler Bewerber, die weiterhin um eine Lehrstelle kämpfen, zeigte die Debatte, dass beide Seiten sich anpassen müssen. Arbeitgeber und Politiker stehen nun vor der Aufgabe, junge Arbeitnehmer zu unterstützen – ohne dabei die Sorgen um Motivation und Jobstabilität aus den Augen zu verlieren.
