Europas Flugbranche ringt um realistische Ziele für nachhaltigen Flugtreibstoff
Tom GießEuropas Flugbranche ringt um realistische Ziele für nachhaltigen Flugtreibstoff
Europas Vorstoß für nachhaltigen Flugtreibstoff gewinnt an Fahrt – doch Branchenverbände warnen vor Herausforderungen
Der Anteil umweltfreundlichen Flugkraftstoffs erreichte 2024 zwei Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Nun diskutieren Airlines und Regulierungsbehörden, ob die anstehenden Ziele realistisch sind oder angepasst werden müssen.
Laut Angaben der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) wurden 2024 über 360.000 kommerzielle Flüge mit nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF, Sustainable Aviation Fuel) an 46 Flughäfen weltweit durchgeführt. Die meisten dieser Flüge starteten in den USA und Europa, doch spezifische Zahlen für europäische Flughäfen allein wurden nicht veröffentlicht.
Ab 2025 treten die ReFuelEU-Vorgaben der EU offiziell in Kraft, die vorsehen, dass zwei Prozent des gesamten Flugtreibstoffs an regionalen Flughäfen nachhaltig sein müssen. Die Anforderungen werden anschließend verschärft: Bis 2030 muss synthetischer nachhaltiger Kraftstoff (eSAF) 1,2 Prozent des Gesamtbedarfs decken, bis 2035 sogar fünf Prozent. Florian Guillermet, Direktor der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA), geht davon aus, dass Europa das Zwei-Prozent-Ziel 2025 erreichen oder sogar übertreffen wird.
Doch der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) fordert eine Lockerung der Vorgaben. Die Organisation argumentiert, dass begrenzte Verfügbarkeit und hohe Kosten die aktuellen Ziele undurchführbar machten. Dennoch hat die Europäische Kommission keine Pläne, die Regelungen abzumildern. Ein EU-Vertreter bestätigte, dass die Vorgaben bestehen blieben, räumte jedoch ein, dass die Erschwinglichkeit und der Zugang verbessert werden müssten.
Guillermet bleibt bei seiner Haltung: Er sieht keinen Grund, die Vorgaben zu ändern. Ein hochrangiger EU-Beamter erklärte zudem unabhängig davon, Europa habe die Zwei-Prozent-Marke für 2025 vermutlich bereits überschritten.
Vorerst bleiben die EU-Ziele für nachhaltigen Flugtreibstoff unverändert. Die Airlines müssen sich anpassen, da der Anteil an eSAF in den kommenden zehn Jahren steigen wird. Die Regulierungsbehörden betonen zwar die Notwendigkeit der Maßnahme, erkennen aber an, dass Kosten- und Versorgungsfragen gelöst werden müssen.






