EU-Recht auf Reparatur: Mehr Nachhaltigkeit, aber höhere Kosten für alle
Patrik WesackEU-Recht auf Reparatur: Mehr Nachhaltigkeit, aber höhere Kosten für alle
Eine neue EU-Richtlinie zum „Recht auf Reparatur“ soll die Art und Weise verändern, wie Produkte instand gesetzt und genutzt werden. Ziel ist es, Reparaturen zu vereinfachen und die Lebensdauer von Waren zu verlängern. Doch erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Regelung die Kosten für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen in die Höhe treiben könnte.
Die Richtlinie verpflichtet Hersteller, auch nach Ablauf der Garantie Reparaturen zu fairen Preisen anzubieten. Damit soll verhindert werden, dass defekte Geräte vorschnell entsorgt werden. Doch viele Branchenvertreter warnen vor unerwünschten Nebenwirkungen.
Laut einer aktuellen Umfrage erwarten 68 Prozent der Händler steigende Reparaturkosten. Als Gründe nennen sie höhere Preise für Ersatzteile und gestiegene Löhne für Fachpersonal. Gleichzeitig geben 74 Prozent der Händler zu, mit ihren aktuellen Kapazitäten keine zusätzlichen Reparaturaufträge bewältigen zu können – vor allem wegen eines Mangels an qualifizierten Technikern.
Auch die Hersteller teilen diese Bedenken: Rund 63 Prozent gehen davon aus, dass die Reparaturkosten für Kunden steigen werden, und führen zusätzliche Personalkosten sowie die Notwendigkeit an, mehr Ersatzteile vorrätig zu halten. Nur 37 Prozent von ihnen glauben, dass die Richtlinie zu höheren Preisen für Neugeräte führen wird. Dennoch rechnen 62 Prozent der Händler damit, dass die Preise für neue Produkte steigen, um die erwarteten Mehrkosten für Reparaturen auszugleichen.
Das Verbraucherverhalten verkompliziert die Lage zusätzlich. Derzeit empfinden 70 Prozent der Menschen Reparaturkosten im Vergleich zum Neukauf als zu hoch. Im Schnitt sind Kunden nur bereit, bis zu 22 Prozent des ursprünglichen Produktpreises für eine Reparatur zu zahlen.
Die Richtlinie könnte Reparaturen zwar zugänglicher machen und die Nachhaltigkeit fördern. Doch Experten wie Ralf Deckers vom IFH Köln warnen, dass höhere Reparaturkosten diese Ziele unterlaufen könnten. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher müssen sich auf mögliche Preiserhöhungen in vielen Bereichen einstellen.
