EU-Emissionshandel steht vor grundlegender Reform – was sich für die Industrie ändert
Patrik WesackEU-Emissionshandel steht vor grundlegender Reform – was sich für die Industrie ändert
Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre ersten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandels (EU-ETS) vorlegen. Zu den zentralen Änderungen gehört die Abschaffung der dauerhaften Streichung von Zertifikaten im Marktstabilitätsreservemechanismus (MSR), die im Rahmen umfassender Anpassungen des Systems gestrichen wird.
Die anstehenden Reformen zielen darauf ab, Bedenken energieintensiver Branchen – darunter der chemischen Industrie – zu berücksichtigen. Die hohen CO₂-Kosten im aktuellen ETS haben scharfe Kritik ausgelöst, da Unternehmen argumentieren, sie untergrüben die europäische Wettbewerbsfähigkeit. Die MSR-Reform soll kurzfristige Entlastung bieten und gleichzeitig das industrielle Wachstum fördern.
Evonik-Chef Christian Kullmann hat sich wiederholt für Veränderungen ausgesprochen und zuvor gefordert, das ETS entweder abzuschaffen oder grundlegend zu reformieren. In einem aktuellen Gastbeitrag für das Handelsblatt plädierten Kullmann und der EU-Abgeordnete Peter Liese für pragmatische Lösungen und kluge Kompromisse, um Klimaziele mit den Bedürfnissen der Industrie in Einklang zu bringen.
Brüssel hat Signalbereitschaft gezeigt, die Benchmarks für die chemische Industrie anzupassen, doch konkrete Maßnahmen stehen noch aus. Der Fokus liegt zunächst auf der MSR-Reform, die keine dauerhafte Streichung von Zertifikaten mehr vorsieht.
Die Vorschläge der Kommission werden von Branchen mit hohen CO₂-Kosten genau beobachtet. Der Verzicht auf die Streichung von Zertifikaten im MSR markiert einen Kurswechsel in der Politik, während weitere Anpassungen für Sektoren wie die Chemieindustrie folgen könnten. Die Reformen sollen den Druck auf europäische Hersteller verringern, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren.






