13 March 2026, 14:10

Erzbistum Paderborn zahlt 93 Millionen Euro an Missbrauchsopfer – und räumt Versagen ein

Ein Buch mit Bildern und Texten, das die Geschichte der katholischen Kirche dokumentiert, darunter Fotos von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn zahlt 93 Millionen Euro an Missbrauchsopfer – und räumt Versagen ein

Das Erzbistum Paderborn hat 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Überlebende sexuellen Missbrauchs geleistet – nach Jahrzehnten der Vorwürfe. Bischof Udo Markus Bentz bat die Opfer kürzlich um Vergebung und bezeichnete das Ausmaß des Missbrauchs als institutionelles Versagen der Kirche. Die Maßnahme ist Teil der laufenden Bemühungen, einen Skandal aufzuarbeiten, der erstmals 2010 ans Licht kam.

Ein 2023 erstellter Bericht der Kanzlei Feigen und Graf untersuchte Missbrauchsfälle innerhalb des Bistums und identifizierte 489 Betroffene zwischen 1941 und 2002. Die Studie nannte 210 beschuldigte Täter, hielt Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt jedoch für nicht glaubwürdig. Seit Veröffentlichung des Berichts wurden durch unabhängige Untersuchungen keine weiteren Fälle bestätigt.

Bischof Bentz bezeichnete die Ergebnisse als vernichtenden Beweis für ein systemisches Versagen. Seine Entschuldigung wurde von Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbands, begrüßt. Harnisch unterstützte zudem Forderungen, Straßen und öffentliche Plätze umzubenennen, die derzeit die Kardinäle Degenhardt und Lorenz Jaeger ehren.

Das Erzbistum kündigte an, die Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe fortzusetzen, darunter eine genauere Prüfung von Degenhardts Amtszeit. Dies folgt einem bundesweiten Muster: Seit dem Bekanntwerden des Skandals 2010 stehen deutsche Bistümer unter Druck, historische Vergehen aufzudecken.

Mit den bereits gezahlten 93 Millionen Euro an Entschädigungen setzt das Erzbistum Paderborn seine unabhängige Überprüfung historischer Missbrauchsfälle fort. Die Ankündigung der Kirche, Degenhardts Rolle zu untersuchen, deutet auf weitere Schritte in der Bewältigung der Krise hin. Opfer und Aktivisten fordern sowohl juristische Konsequenzen als auch symbolische Veränderungen – etwa die Umbenennung von Denkmälern, die mit beschuldigten Persönlichkeiten verbunden sind.

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