„Die Tödliche Doris“: Radikale Kunst zwischen Provokation und Super-8-Filmen in Bremen
Patrik Wesack„Die Tödliche Doris“: Radikale Kunst zwischen Provokation und Super-8-Filmen in Bremen
Im Bremer Weserburg Museum hat die erste große Retrospektive über Die Tödliche Doris eröffnet – ein radikales Künstlerkollektiv und Musikprojekt, das Grenzen sprengte. Die im Zentrum für Künstlerpublikationen gezeigte Ausstellung präsentiert ihr provokantes Schaffen zwischen Musik, Film und Performance. Besucher erwarten ein immersives Erlebnis, bei dem gleichzeitig laufende Super-8-Filme eine dynamische, "summende" Atmosphäre erzeugen.
Die Gruppe formierte sich 1980 in West-Berlin, gegründet von den Kunst- und Filmstudenten Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen. Bald stieß Christine Dreier, genannt Chris, dazu, später folgten Tabea Blumenschein und andere. Obwohl sie oft dem Post-Punk zugerechnet werden, ging ihr Ansatz weit über Musik hinaus: Durch Provokation und Widerspruch stellten sie künstlerische Normen infrage.
1981 traten Die Tödliche Doris beim Festival der genialen Dilettanten im Berliner Tempodrom auf – gemeinsam mit anderen Avantgarde-Künstlern. Ihr Werk umfasste Literatur, Fotografie und mehr, doch ihr einziger Ausflug in die Malerei, Die Gesamtheit allen Lebens und alles darüber Hinaus, verkörpert besonders ihren Bruch mit Konventionen. Müller beschrieb ihre Mission als kulturell kritisch, eine Mischung aus Experiment und scharfer Gesellschaftsanalyse. 1987 löste sich das Kollektiv auf, doch sein Einfluss blieb. Anders als Zeitgenossen wie Einstürzende Neubauten, deren Klang aggressiv und maskulin war, setzten Die Tödliche Doris auf Ironie und Mehrdeutigkeit. Die Ausstellung ist zwar nicht überwältigend groß, spiegelt aber die Vielfalt ihres Schaffens wider.
Die Retrospektive bietet eine seltene Gelegenheit, das interdisziplinäre Erbe der Gruppe zu erkunden. Durch die Verschmelzung von Film, Performance und bildender Kunst prägten sie den künstlerischen Widerstand im West-Berlin der 1980er Jahre. Die Schau läuft noch im Weserburg Museum und festigt so ihren Platz in der Geschichte der experimentellen Kultur.
