Der vergessene Einsturz: Wie Kölns Stadtarchiv in einer U-Bahn-Baustelle verschwand
Tom GießDer vergessene Einsturz: Wie Kölns Stadtarchiv in einer U-Bahn-Baustelle verschwand
Einer der verheerendsten Bauschäden Kölns ereignete sich 2009, als das Stadtarchiv in eine U-Bahn-Baustelle einstürzte. Die Katastrophe verschüttete 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Stelle immer noch eine unvollendete Baustelle – ein mahnendes Zeichen der Tragödie.
Der Einsturz geschah während der Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, die von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) verantwortet wurde. Trotz fehlender Erfahrung mit derart großen Projekten trieb die KVB die Bauarbeiten voran. Vor der Katastrophe waren entscheidende Stahlträger gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden, was die Statik des Gebäudes schwächte. Als sich der Grundwasserkrater öffnete, verschlang er das gesamte Archiv und ließ zwei benachbarte Häuser einstürzen, in denen zwei junge Männer ums Leben kamen.
Rettungskräfte durchsuchten monatelang die Trümmer und bargen Fragmente der Dokumente. Noch ein Jahr nach dem Einsturz wurden Papiere gefunden. Die juristischen Konsequenzen zogen sich hin; erst 2018 gab es Verurteilungen. Doch bis 2024 wurden die Verfahren wegen Verfahrensfehlern und nachlassendem öffentlichen Interesse eingestellt.
Die Baustelle selbst bleibt eine Narbe im Stadtbild. 2023 war das Gelände nur notdürftig mit Beton verfüllt und von wildem Bewuchs überwuchert. Als künstlerische Erinnerung an die Katastrophe installierte Reinhard Matz 2022 sein Werk Klagelied in acht Tafeln am Bauzaun. Unterdessen schreitet das U-Bahn-Projekt voran; die neue Strecke soll die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich seit 2011 für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen ein. Sie fordert eine würdige Erinnerung an die Katastrophe und die verlorenen historischen Bestände.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ tiefe Spuren – sowohl im kulturellen Erbe der Stadt als auch in ihrer Infrastruktur. Während die U-Bahn-Linie langsam fertiggestellt wird, bleibt die Baustelle selbst ungelöst. Die juristischen Auseinandersetzungen endeten ohne vollständige Aufarbeitung, und Aktivisten kämpfen weiterhin für eine angemessene Anerkennung der Tragödie.






