Cybergrooming und digitale Gewalt: Warum fast jedes zweite Kind betroffen ist
Patrik WesackCybergrooming und digitale Gewalt: Warum fast jedes zweite Kind betroffen ist
Digitale sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche in Deutschland hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Eine Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2025 ergab, dass fast die Hälfte aller Jugendlichen bereits solche Vorfälle im Netz erlebt hat. Besonders besorgniserregend ist das sogenannte Cybergrooming – eine Form der Belästigung, bei der Täter gezielt über Chats Minderjährige ansprechen. Fast jedes vierte Kind gab an, allein im vergangenen Jahr damit konfrontiert worden zu sein.
Die Problematik umfasst verschiedene Formen von Missbrauch: von unerwünschten Nacktaufnahmen bis hin zu Belästigungen in Klassenchats. Eine Umfrage des BIÖG (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Familienforschung und Generationenfragen) aus dem ersten Halbjahr 2025 zeigte, dass 64 Prozent der 14- bis 25-Jährigen bereits nicht-körperliche sexualisierte Gewalt erlebt haben – überwiegend im digitalen Raum. Experten führen dies auf Faktoren wie unkontrollierte Internetnutzung, Täter aus dem eigenen Umfeld und die Unerfahrenheit von Kindern im Umgang mit persönlichen Bildern zurück.
Ein Ansatz zur Bekämpfung des Problems kam aus Thüringen, wo über drei Jahre ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt lief. Finanziert vom Landesjugendamt, handelte es sich um die erste Initiative dieser Art in Deutschland. Yasmina Ramdani leitete Präventionsworkshops an Schulen und erreichte dabei rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse.
Lehrkräfte erkennen die Dringlichkeit des Themas, fühlen sich aber oft überfordert. Gleichzeitig werden Eltern dazu aufgerufen, verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien vorzuleben und mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen. Öffentlichkeitswirksame Fälle – wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen – haben zudem die Aufmerksamkeit auf das größere Problem der digitalen Gewalt gegen Frauen gelenkt.
Präventivmaßnahmen wie die Thüringer Workshops gelten als entscheidend. Studien zeigen, dass frühzeitige Aufklärung deutlich kostengünstiger ist als die Bewältigung der langfristigen Folgen digitaler sexualisierter Gewalt. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte der jungen Menschen betroffen ist, wächst der Druck auf Behörden und Schulen, Schutzmechanismen und Aufklärungsarbeit deutlich auszubauen.






