Coca-Cola-Chef kritisiert Bundesregierung für Bürokratie und fehlende Reformen
Marlene SeifertCoca-Cola-Chef kritisiert Bundesregierung für Bürokratie und fehlende Reformen
John Galvin, der Deutschland-Chef von Coca-Cola Europacific Partners (CCEP), hat sich kritisch zur zunehmenden Verschlechterung des Wirtschaftsstandorts Deutschland geäußert. Bei einer aktuellen Veranstaltung in Düsseldorf warf er der Bundesregierung vor, zentrale Probleme wie übermäßige Bürokratie und steigende Kosten nicht anzugehen. Unterstützung erhielt er dabei von BDI-Präsident Peter Leibinger, der die Lage als die tiefste Wirtschaftskrise Deutschlands seit 1949 bezeichnete.
Galvin, der seit Juni 2022 die Geschäftsführung von CCEP Deutschland innehat, nannte langsame Genehmigungsverfahren und ein undurchdringliches Regelwerk als Haupthemmnisse für Investitionen. Selbst kleinere Projekte, erklärte er, entwickelten sich oft zu zähen Kraftakten, da sich Zuständigkeiten überschneiden und Vorschriften übermäßig komplex seien. Neben dem Bürokratie-Dschungel verwies er auf explodierende Strompreise, hohe Löhne und eine gestiegene Krankheitsquote als zusätzliche Belastungen für Unternehmen.
Er begrüßte zwar die jüngste Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Regulierungslast für Unternehmen zu verringern, betonte aber, dass nun Taten folgen müssten. Trotz der Herausforderungen bekräftigte Galvin, dass CCEP – verantwortlich für die Verteilung von 4,1 Milliarden Litern Getränken wie Coca-Cola, Fanta und Sprite pro Jahr – weiter zu Deutschland stehe. Das Unternehmen beschäftigt rund 6.100 Mitarbeiter an 24 Standorten und habe keine Pläne, die Produktion ins Unternehnensregister zu verlagern.
BDI-Präsident Leibinger unterstrich Galvins Sorgen und warnte, dass Deutschlands wirtschaftliche Position so schwach sei wie seit Gründung der Bundesrepublik nicht mehr. Beide waren sich einig, dass die Bundesregierung mehr tun müsse, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu vereinfachen.
Galvins Äußerungen spiegeln die wachsende Unzufriedenheit der deutschen Wirtschaft mit Bürokratie und Kosten wider. Zwar bekräftigt CCEP seine Präsenz im Land, doch der Reformdruck auf die Politik wächst. Die weiteren Entwicklungen dürften maßgeblich über künftige Investitionsentscheidungen in zahlreichen Branchen mitentscheiden.
