Autobahnkirche im Ruhrgebiet wird verkauft – ein Stück Industriekultur sucht neuen Besitzer
Tom GießAutobahnkirche im Ruhrgebiet wird verkauft – ein Stück Industriekultur sucht neuen Besitzer
Autobahnkirche im Ruhrgebiet steht zum Verkauf – Gemeinde kann Kosten nicht mehr tragen
Eine historische Kirche an der Autobahn A40 wird verkauft, nachdem ihre Gemeinde die steigenden Kosten nicht mehr aufbringen konnte. Die im Bauhaus-Stil errichtete Autobahnkirche Ruhr diente seit 2010 als ruhiger Rückzugsort für Reisende. Doch mit schrumpfender Mitgliedschaft und rückläufigen Spenden hat die Epiphanias-Gemeinde das Gebäude nun für 780.000 Euro zum Verkauf angeboten.
Die Kirche öffnete 2010 als Autobahnkirche und bot Reisenden in der belebten Ruhrregion eine Stätte der Einkehr. Ihr markanter dunkler Ziegelturm, geschmückt mit einem Banner „Rast und Besinnung mitten auf der Überholspur“, fällt entlang der Autobahn sofort ins Auge. Im Inneren erwarten Besucher eine Orgel, historische Gussstahlglocken aus den 1930er-Jahren sowie ein dreistöckiges Gemeinschaftszentrum, dessen Etagen jeweils fast 140 Quadratmeter umfassen.
Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählten eine jährliche Gedenkfeier für Verkehrsopfer und besondere Gottesdienste für Motorradfahrer. Zudem wurde das Gebäude Teil der Route der Industriekultur und gewann so an architektonischer und kultureller Bedeutung. Doch die finanziellen Probleme der Gemeinde verschärften sich, nachdem sie sich im vergangenen Jahr mit einer Nachbargemeinde zusammenschloss. Als Freikirche ist sie vollständig auf Spenden angewiesen – die sinkende Zahl der Mitglieder machte die Unterhaltung zweier Immobilien unmöglich.
Der mit dem Verkauf beauftragte Makler hat bereits Interesse von potenziellen Käufern verzeichnet. Zwar darf die Kirche wegen des Denkmalschutzes nicht abgerissen werden, doch ein neuer Eigentümer könnte sie für Veranstaltungen oder Aufführungen umnutzen. Der Kaufpreis von 780.000 Euro schließt zusätzliche Gebühren für Makler und Notar nicht ein.
Der Verkauf markiert das Ende der gemeindlichen Trägerschaft über ein Gebäude, das über ein Jahrzehnt lang Autofahrern Trost spendete. Wer auch immer die Kirche übernimmt, erbt ein geschütztes Baudenkmal mit einer einzigartigen Rolle im kulturellen und religiösen Leben der Region. Bis auf Weiteres bleibt die Kirche täglich geöffnet und setzt so ihre Tradition fort, einen Ort der Stille mitten im Trubel der Autobahn zu bieten.






