Apothekerin schließt Filiale nach 72-Stunden-Schichten und Kostenexplosion
Tom GießApothekerin schließt Filiale nach 72-Stunden-Schichten und Kostenexplosion
Wafaa Choukrane, 34-jährige Apothekerin, hat eine ihrer drei Apotheken schließen müssen – die Arbeitsbedingungen waren auf Dauer nicht mehr tragbar. Der Entschluss fiel nach Monaten überlanger Notdienste, steigender Kosten und unzureichender Vergütung. Trotz aller Anstrengungen wurden die finanziellen und körperlichen Belastungen irgendwann unerträglich.
Erst vor einem Jahr hatte Choukrane zwei Apotheken von Frank Grote übernommen. Plötzlich managed sie drei Standorte gleichzeitig – mit Schichten von bis zu 72 Stunden. Urlaub war nicht drin, die Ausgaben stiegen, und die Arbeitslast wurde immer erdrückender.
Die Wasserburg-Apotheke war die erste, die ihre Türen schließen musste. Hohe Stromrechnungen, rückläufige Kundenzahlen und Personalmangel machten den Betrieb unmöglich. Die Vergütung für Notdienste deckte die Kosten nicht, sodass sie keine Aushilfskräfte einstellen konnte.
Um die Patientenversorgung aufrechtzuerhalten, verlegte Choukrane den Betrieb in die nur 500 Meter entfernte Ardey-Apotheke. Nun sucht sie nach Wegen, die Zugänglichkeit ihrer verbleibenden Standorte zu verbessern – unter anderem durch Gespräche über zusätzliche Parkplätze.
Doch selbst mit diesen Anpassungen warnt sie: Ohne politische Maßnahmen werden kleine Apotheken weiter verschwinden. Höhere Erstattungssätze seien dringend nötig, um Personalkosten zu decken und unabhängige Apotheken zu retten.
Die Schließung der Wasserburg-Apotheke markiert einen Wendepunkt für Choukrans Unternehmen. Bleibt die Finanzierung der Notdienste unverändert, fürchtet sie, dass weitere Apotheken dasselbe Schicksal ereilt. Derzeit konzentriert sie darauf, die beiden verbleibenden Standorte zu stabilisieren.
